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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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Pürschstreitigkeiten zwischen beiden Familien werden durch Schiedsrichter beigelegt.6) Alle biß auf den Abschluß dieses Vertrags verfallenen, aber nicht eingegangenenRenten, Gülten oder sonstige Erstanzen geboren den von Werdenberg. 7) AlleWaffenvorräthe und Mobilien auf dem Schlosse Mößkirch, welche vor der Werdcn-berger Besitznahme daselbst vorhanden waren, verbleiben daselbst, die später ange-schafften werden den von Werdenberg heimgegeben. 8) Die Anhänger und Helferbeider Theile sind in diesen Vertrag eingeschlossen und aller Verantwortlichkeit ent-hoben. 9) Im Falle die von Zimmern die Herrschaft Mößkirch verkaufen oder ver-pfänden wollten, so haben sie die Verpfändung oder den Verkauf vorher den vonWerdenberg anzubieten. Bei den rechtlich durch die kaiserliche Schankung von 1488begründeten Ansprüchen des Hauses Werdenberg an Mößkirch und Oberndorf zeigtedie Bereitwilligkeit derselben, obigen Vergleich anzunehmen, gewiß einerseits vielSinn für Billigkeit und Nachgiebigkeit, anderseits aber auch, wie müde sie desHandels, und wie sie selbst, überzeugt von den vielen Schwierigkeiten, von ihrenfrüheren Pläne» abgestanden waren. Weniger geneigt zur Annahme bewies sichVeit Werner von Zimmern, den nur die Drohungen der Vermittler und die Furchtvor des Kaisers gänzlicher Ungnade hierzu vermochten. Wie wenig aber Veit Wer-ner in seinem jugendlichen Uebermuthe ernstlich geneigt war, sich mit den Werden-berg auszusöhnen, zeigt ein Vorfall, der sich noch in demselben Jahre zutrug, derzugleich beweist, wie Selbsthülfe und Rache ungeachtet des zu Worms so ernstlicherst (1495) anbefohlenen Landfriedens damals noch Sitte waren. Die Grafen vonSonnenberg (Andreas und Johann) hatten damals mit den von Werdenberg einigeStreitigkeiten (s. §. 19), deren Beilegung der Kaiser Max dem Bischof Friedrichvon Augsburg übertrugt). Dieser setzte hierzu einen Tag auf Martini 1497 nachDillingen. Gt. Hugo von Werdenberg lag krank in Sigmaringen, er wollte daherseines Bruders Sohn, den Gr. Christoph, dahin absenden. Dieser ritt mit weni-gen Knechten von Sigmaringen aus. Veit Werner von Zimmern, der hiervonNachricht hatte, lauerte ihm bei Laiz mit dem Georg von Späth, seinem Gesellen,und einem Haufen bewaffneter Reiter heimlich auf. Da nun Gr. Christes, sichkeines feindlichen Angriffes versehend, ruhig seines Weges dahin zog, fiel Veit

i) Schon früher (1471) hatte eine Fehde zwischen den Gr. v. Sonnenberg und denvon Werdenberg stattgefunden, wie eine Urkunde, an. Rottenburg a. N. vom L8. Januar1472 ausweist, nachdem die Erzherzogin Mathilde, Albrechts von Oestreich Wittwe, undBischof Johann von Augsburg eine Thätigung zwischen dem Herzog Sigismund, dem Gr.Georg von Werdenberg zu Heiligenberg, dem Kloster Marchthal und ihren Helfern aufder einen, und dem Gr. Eberhard von Sonnenberg, dem Truchseß Johann von Waldburgund ihren Helfern andererseits errichten. K. würtemb. St.-Archiv.