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Werner unversehens mit seinen Bewaffneten über ihn her; drei Knechte des GrafenChristas wurden erschlagen, ein vierter verwundet und von Späth so hartnäckig ver-folgt, daß er sich in die Donau stürzte und ertrank. Gr. Christes, leicht verwun-det, steh in flüchtiger Eile Sigmaringen zu; schon hatte der ihm nachjagende Späthihn erreicht nüd wollte ihn durchbohren, als ihm Veit Werner zurief: „Halt Jörg,laß mir den Varianz, der da gehört mir für heute." Dadurch gewann Gr. Chri-stas einen kleinen Vorsprung. Nach Sigmaringen, wo die Thore verschlossenwaren und von wo aus der alte, greise Hugo jammernd dem Vorgänge, ohne helfenzu können, zusah, konnte er nicht, er floh daher in hastiger Eile dem Kloster He-dingen zu, dort drängte er sich durch ein zufällig offenes Nebenthor in den Kloster-hof hinein, sein Pferd fiel todt zu Boden, er selbst war aber gerettet, indem dieMörder wegen der Nähe von Sigmaringen sich nicht länger aufzuhalten getrauten.Mit Recht war der Kaiser über diesen Vorfall sehr aufgebracht, selbst die altenFreunde und Gönner Veit Werners schwiegen und getrauten sich nicht, ihn inSchutz zu nehmen, nur Gr. Eberhard der jüngere von Würtemberg, dessen Rathund Diener Veit war, suchte ihn, wiewohl vergebens, bei dem Kaiser zu entschul-digen. Der sonst so milde und nachsichtige Kaiser Mar wollte nun von dem Handelnichts mehr hören und ließ sich nur mit Mühe bereden, noch einmal Commiffarienzu ernennen, wozu er den Bischof von Briren und den vr. Stürze!, seinen Kanz-ler , bestimmte, welche einen Tag, jedoch vergeblich nach Jnnspruck ansetzten, dadie v. Werdenberg nicht mehr erscheinen wollten. Ehe dieser Vorfall sich zutrug,hatte, wohl in Folge des Kirchberger Vergleichversuchs und auf die Verwendungder Kurfürsten Friedrich des Weisen von Sachsen, Kaiser Mar das wegen Einnahmevon Oberndorf gefällte Pönalmandat gegen den Veit Werner aufgehoben und ge-stattet, daß den beiden erstcrn kaiserlichen Commiffarien Gr. Wolfgang von Für-stenberg und Eitelfriz von Zollern die Stadt und das Schloß Mößkirch einstweileneingeräumt werde. Wohl würde die Sache selbst noch länger geruht haben, wennnicht Veit Werner von Zimmern, gegen den die Erbitterung immer noch groß war,den 23 April 1499 zu Stuttgart gestorben wäre. Nun trat sein Bruder, Joh.Werner von Zimmern für sich und seine zwei andern jüngern Brüder auf, um ihreWiedereinsetzung zu betreiben. Churfürst Friedrich von Sachsen, Pfalzgraf Philippzum Rhein, Herzog Eberhard von Würtemberg u. a. unterstützten dessen Bitte undbrachten dieselbe, jedoch vergebens, auf den Reichstagen 1500 zu Augsburg,1501 zu Nürnberg und auf dem Fürstentag 1502 bei dem Kaiser in Anregung.Wirklich war letzterer in einiger Verlegenheit; einerseits die vielen dringenden Für-bitten von Fürsten, deren Hülfe und Beistand er brauchte, sowie Ansprüche, dieunschuldige, noch minderjährige Adelige in einer Sache erhoben, die immer mehrAnhang bei dem schwäbischen Adel zu finden schien, anderseits die Erlasse feines