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Hundert bewaffnete Land'leute in die Stadt beriefen. Als daher die Verbündete»vor der Stadt ankamen, wurde ihnen der Eintritt verweigert, auch einige Zeitdeßhalb vergebens unterhandelt. Da drohten die Anführer, die umliegenden Dörferauszuplündern und niederzubrennen, wenn die Stadt nicht übergeben würde, trafenauch hierzu schon alle Vorkehrungen. Dadurch erschreckt, wollten die in der Stadtliegenden Landleute nicht mehr weiter fechten und Stadt und Burg mußte dem Joh.Werner und seinen Gesellen übergeben werden. So setzten fich die von Zimmerngegen alle kaiserlichen Rechts - und Machtsprüche mit offenbarer Verletzung des nochjungen Landfriedens in den faktischen Besitz ihrer Herrschaften. Ein Beweis, wiewenig Gesetze den Stärkern und Mächtigen zu binden vermögen. Die feindseligeStimmung blieb, die kleineren Reibungen und Feindseligkeiten, aber auch die Un-terhandlungen, einen rechtlichen Zustand herbeizuführen, dauerten fort. Der Kaiser(wohl auch die v. Wcrdenberg selbst, von welchen Georg und Ulrich während die-ses Handels gestorben waren), des langen Haders müde, legte endlich die Verhand-lungen auf dem Reichstage zu Augsburg 1504, hauptsächlich auf Betrieb desPsalzgrafen Philipp, den Ständen zur Entscheidung vor. Diese sprachen zwischenden Gr. Hugo und seinen Bruderssöhncn, Johann Christof und Felix von Werden-berg einer-, und den Freiherren Johann Werner, Gottfried Werner und WilhelmWerner von Zimmern anderseits dahin, daß die alten Stammgüter Mößkirch undOberndorf mit deren Nutzungen und Zugehörden, sowie die hohen Gerichte in derStadt Mößkirch, in den Dörfern Rohrdorf, Heudorf, Dietersdorf, Ober- undUnterbichtlingen rc. innerhalb Eiters den von Werdenberg gehören, letztere auchaußer den bezogenen Renten, Nutzen rc. noch 2000 fl. als Entschädigung erhaltensollten.
So endete ein Handel nach vollen 16 Jahren, welcher so viele Fürsten Deutsch-lands , ganz Schwaben, zwei Kaiser mehr oder minder in Anspruch genommenhatte, wie alle derartigen Händel auf eine kleinliche Weise, die, hätte man einensolchen Ausgang auch nur entfernt vorahnen können, den Anfang desselben gewißverhindert hätte. Gr. Hugo von Werdenberg, noch der einzige der sechs älternGrafen von Werdenberg, des Gr. Hans Söhne, überlebte den Ausgang dieses Han-dels noch vier Jahre, indem er erst den 6. August 1508 starb und zu Trochtel-singen begraben wurde. Die letztere Zeit seines Lebens, fast so lange der Zimmer-sche Handel dauerte, von 1489 an, hielt er sich in Schwaben, namentlich in Sig-maringen auf, der Zimmersche Handel mag zum Theil Ursache hievon gewesen sein.Dieser allein aber nahm nicht seine ganze Thätigkeit in Anspruch, ihm war die Er-haltung und Befestigung des Schwab. Bundes, dieses Lieblingskindcs der beidenKaiser Friedrich und Mar, anbefohlen, auch die würtembcrgischen Angelegenheiten,welche erst unter dem Eberhard im Bart eine feste Richtung und tiefere Begründung