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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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Der vornehme Pariser hat zwar sein Landhaus, aberein Park zur Jagd ist ihm ungleich wichtiger, als einevollkommene, reinliche und mit seiner Familie verwach'cneMilchwirthschaft. Auch kann eine rationelle Erziehung zurLandwirthschaft nur schwer bei dieser Classe Fuß fassen.Der Grund hievon ist ganz einfach. Der Erwerber desGutes ist durch ganz andere Geschäfte zu dem Reichthumgelangt, von welchem er einen Theil sicher, aber gegen sehrgeringe Zinsen in Güter steckt. Die Söhne müssen theilen,verkaufen also das Gut, weil sie doppelt so viele Zinsen ausStaatspapieren ziehen wollen, und meist ziehen müssen,um in ihrer Weise vom getheilten Vermögen leben zukönnen. So kommt das Gut wieder in andere Händeund so weiter.

Der größte Güterbesitzer in Frankreich, Marquisd'Aligre, ein Mann, welcher trefflich zu kaufen verstehtund deßhalb berühmt ist, zieht nicht mehr als zwei Procentrein aus den in Gütern angelegten Capitalien.. Bei nie-dern Getreidepreisen oder besondern Unglücksfallen ziehter vor, am Pachtzins nachzulassen, und fährt dabei nochbesser als bei strenger Eintreibung desselben.

Das Physische des französischen Bauern ist nichts weni-ger als einnehmend. Seine halbstadtische Tracht mit denHvlzschuhen ist unmalerisch, nur die Blouse ist eine Artvon Nationalkleidung. Erst gegen Flandern hin fangenbei den Bäuerinnen nationelle oder locale Kopfputze an.Man sieht unter beiden Geschlechtern wenig blühende,kräftige, plastisch schöne Gestalten, und den Heirathen bleibtnur der Spülkelch der männlichen Kraft zur Fortpflanzungübrig. Doch sind sie alle rührig, ertragen große Anstren-gungen und bewegen sich in einem beschränkten geistigen