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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
Seite
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u. s. w.), und sucht die verlorenen Rechte zuweilen aufhöchst wunderliche Weise wieder geltend zu machen. Dakommen nun die höchsten Richter in Sprachsachen gewal-tig ins Gedränge. Die neue Ausgabe des französischenWörterbuchs der Akademie befriedigt allerdings auch manchebillige Forderungen nicht, und es dürfte wohl geschehen,daß die Sprache sich wider Willen der Akademie ebensoeigenmächtig umgestalte, als die gesellschaftlichen Verhält-nisse sich ohne Zuthun der Regierungen, ja wider derenWillen umgestaltet haben.

Die Akademie der schönen Künste leidet an demselbenWiderstreite, und die Kunstbildung geht noch immer ausmechanische Fertigkeit und Richtigkeit der Zeichnung allein,und die Versuche Horaz Vernets, die Academie zu Romfür die Zwecke der schönen Künste vorläufig umzugestalten,sind an den Hartnäckigkeiten gescheitert, welche das alteHerkommen vertheidigten.

Man sagt sehr richtig von den Akademieen wie vonden Höfen: Es sind viele grosse Männer hineingegangen,keiner ist herausgekommen. Aber eine Versammlung tüch-tiger und berühmter Männer Eines Faches hat in einergroßen Stadt, in dem Mittelpunkte der Regierung einesgroßen Reichs, unbestreitbare Vortheile. Sie bildet eineArt Gerichtshof, sie zeigt der Regierung, wo zu bessern,für welche Fragen tüchtige Lösungen gerade jetzt wünschens-wert!) sind, sie bildet einen Mittelpunkt, ohne welchen mansich nicht getroffen, nichr Wechselsweise berathen hätte, undendlich haben solche hochgestellte Versammlungen noch denVortheil, daß durch sie allein verhindert werden kann, daßniedrigeren Interessen alle Kraft des Staats ausschließlichzugewendet wird.