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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
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auch einigen Weinschenken besetzt. Ein ernstes, in ziem-lich gutem Styl erbautes Portal kündigt die Bestimmungan, und den ganzen Tag hindurch stehen schwarz aus-geschlagene Wagen davor. Der Begräbnißplatz ist znmTheil mit Wegen gleich einem Spaziergange durchschnitten,Ruhebänke sind angebracht, und um eine schöne, ungefähraus der Mitte hervorragende Capelle, ein freier Platz. Mitimmer grünen Bäumen besetzt, gewährt das Ganze einensehr schönen Winterspaziergang für helle sonnige Stunden.Auch fehlt es nie an Besuchern, meist Neugierige undMüßige, oft auch Tieftrauernde, deren Schluchzen zuweilendurch die Baumgruppen bis zum Ohr des Wanderersdringt.

Nirgends wohl kann man das lebende Paris leben-diger erkennen, als in diesem abgeschiedenen. Die aristo-kratischen und religiösen Tendenzen der Restauration, dasGemische von Heidenthum und Christenthum in der neue-ren Zeit, der wechselnde Geschmack der Baustyle, die an-spruchsvolle Einfachheit der Inschriften, die Herzlichkeiteiniger wenigen, schnell zerfallenden Steindenkmale nebenmorschen schwarzen Kreuzen, eine Arr Vorstadt für ärmereTodte, ein englisches Quartier, alles mahnt an die Ver-hältnisse der Lebenden, während zwischen diesem endlosenKommen der Bewohner der immergrüne Lebensbaum,Stiefbruder der Cvpresse, die unveränderliche, ewig wal-tende Natur als Siegerin vertritt.

Die übrigen Gvttesäcker haben ähnliche Einrichtun-gen wie der des Pere La Chaise, aber weniger schone Denk-male. Der für die Vorstadt St. Germain hat, wie sie,ein aristokratisches Ansehen.

Die Todten werden ohne Unterschied des religiösen