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Paris im Jahre 1836 / [von Friedrich von Kölle]
Seite
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Kegelspielen hier werden die Kugeln geworfen Pisto-lenschießen, gewöhnlich aber mit einem Anwerfspiel, inwelchem große Kupfermarken in numerirle Löcher auf zehnSchritte geworfen werden müssen. Dieses Spiel fehlt auchden Kneipen in der Stadt nie, wo der Platz es nur irgendgestattet.

Jede Classe des Volks, jede Landsmannschaft sogar,hat ihre bevorzugten Sonntagskneipen, und deutsche Hand-werker und Dienstmädchen aus der Vorstadt St. Antoinewerden wahrscheinlich noch der alten Sitte huldigen, sichbei Sauerkraut, Walzer u. s. w. zu ergötzen, wie diesesehemals im rothen Ochsen auf der Courtille der Fall war,der aber nun nicht mehr von ihnen besucht seyn soll.

Am Montag, oft auch am Dienstag, wird von vie-len Arbeitern noch fortgekneipt, weil drei Tage Arbeit zumUnterhalt in der Woche hinreichen.

Wenn man diese Versammlungsorte des Pariser Volkesbeobachten will, so wird man finden, daß es sich anstän-diger benimmt und mäßiger genießt, als in Deutschland;daß Lärm und Balgereien seltener, und die Ansprüche anOomkoi-t in den Trinkgärten weit geringer sind als inEngland. Zuweilen hört man sehr harmonische vierstim-mige Gesänge, welche ein zahlreiches Publicum um sichversammeln, besonders da sie nichts kosten. Die Sängersind deutsche Handwerksgesellen. Nicht selten singen sieLandwehrlieder aus der schonen Zeit von 1814, wobei einemdeutschen Zuhörer manche Gedanken sich aufdringen undihm wehmüthig ums Herz wird.

Wenn der Pariser nicht nach jedem Spaziergange trin-ken muß, oder eigens spazieren geht, um einmal in einerandern Kneipe, als der gewöhnlichen, zu trinken, wie