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Anleitung zum Selbststudium der Geologie : nach dem Book of Science / von Karl Hartmann
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Veränderungen der Erdoberfläche. 181

seit wenigen Jahrhunderten aus denselben verdrängt wor-den sind. Sie haben sich in kältere, weniger bewohnteGegenden zurückgezogen und ihre Überreste können daherwohl in den mittleren Theilen von Europa gefunden,aber jetzt nicht mehr niedergelegt werden.

Knochenhöhlen und Knochenbreccien.In den Bemerkungen über die Erdbeben zeigten wir, daßsich in manchen Gegenden in den letzten Jahrhundertensehr viele Spalten und Abgründe geöffnet haben, und wirwerden einsehen, daß Gebirgsmassen während ihrer Em-porhebung über das Meeresniveau zerrissen und verwor-fen werden müssen. Es läßt sich demnach das Vorhan-densein mancher Höhlungen im Innern der Erdrinde le-diglich durch die Wirksamkeit von Erdbeben erklären. Da-gegen gibt es aber andere Höhlen, besonders im Kalk-steingebirge, deren Formen, indem sie abwechselnd ausweilen Räumen und engen Gängen bestehen, beweisen,daß sie durch den bloßen Bruch und die bloße Verwerfungnicht entstanden sein können. Aber auch im Glimmer undThonschiefer hat man kürzlich auf der griechischen InselLhermia dieselbe Höhlenstructur beobachtet. Alle liefernden Beweis, daß zu irgend einer Periode ein Wafferstromhindurchging, der auf ihre Form einwirkte. Zuerst ent-standen die Spalten ohne Zweifel durch Erdbeben undwurden die Öffnungen, durch welche sich die in der Tiefedurch vulkanische Hitze erzeugten Gase entwickelten. DieseGase (schwefel-, salz-, flußsaure und noch andere) ver-änderten und zersetzten die Gesteine, welche sie durchstri-chen, und die Mineralwasser, welche in solchen Fällenhäufig aus den Höhlungen hervorkommen, transportirtendie Elemente der zersetzten Gesteine nach und nach aufdie Oberfläche; die von den Mineralwässern jährlich aufdie Erdoberfläche geschafften großen Quantitäten von koh-lensaurem Kalk, veranlassen uns zu der Annahme, daßin den kalkigen Felsartcn, in bedeutender Liefe unter derOberfläche, in dem Verlauf der Zeiten große Höhlungenentstanden sind. Außerdem ist der Kalk auflöslicher, durch-dringlicher und zerbrechlicher, als viele andere Gesteine sind.