Veränderungen der Erdoberfläche. 189
merklich, oder so langsam, daß sie erst nach Verfluß ei-nes mehr oder weniger langen Zeitraumes wahrgenom-men werden können, wie die allmäligen Anschwemmungen,die Deltabildung, das Anwachsen des Landes an niedri-gen Küsten, die Dünenbildung, das Anhäufen des San-des am Meeresboden, das Luswaschen der Thäler u.s.w.Oder sie ereignen sich plötzlich, wie die von außerordent-lichen Fluthen verursachten Durchbrüche, die Berg- undErdsälle, die durch vulkanische Ausbrüche bewirkten Über-schüttungen, das Einsinken und Erheben des Bodens durchErdbeben. Aber bei der einen sowohl als bei der andernArt, so auffallend auch diese gegen jene erscheint, wirkenimmer dieselben Kräfte, die wir als die Triebfedern allerErscheinungen in der ganzen Natur erkennen.
Lassen wir diese Erscheinungen beider Arten in Bezie-hung auf die uns bekannten Naturkräfte, die wir alsdie Ursachen derselben betrachten dürfen, uns zu Weg-weisern dienen in dem Gebiete der Geschichte der Erdober-fläche, und zwar so, daß wir unsere Forschung darüberbei den Erscheinungen der neuesten Zeit und ihren Wir-kungen auf die Gestalt der Erdoberfläche beginnen undvon da den Weg Schritt vor Schritt der Vorzeit ent-gegen verfolgen, so werden wir ungefähr zu folgenden,bald mehr, bald weniget sicher begründeten Ergebnissengeführt werden.
Die Umrisse der Länder, d. i. die Gestalt der Mee-resufer, verändern sich unter unseren Augen, und die Über-lieferung berichtet uns aus allen Zeiten Veränderungen,die mit denselben vorgegangen sind. Hervorragungen sindverschwunden, Busen sind entstanden, zusammenhängendeTheile des Landes sind durch Arme des Meeres getrennt,getrennt gewesene sind durch Landansatz verbunden wor-den. Inseln sind entstanden und verschwunden, Flüssehaben ihren Lauf geändert, Thäler und Seen sind ver-schüttet worden. Da dieses immer geschieht und währendeiniger tausend Jahre geschehen ist, so darf man mitZuversicht behaupten, daß die Länder und Inseln der