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Neuer Handatlas über alle Theile der Erde / entworfen und bearbeitet von Dr. Heinrich Kiepert, Mitglied d. Königl. Academie der Wissenschaften zu Berlin
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auf ein verhältnifsmäfsig geringes Mafs aus den besseren der früher publicirtenKarten, namentlich aus Dufours grofser Karte (Paris 1847, in 2 111.), welcheauch in Uebereinstinnnung mit officiellen spanischen Docurnenten für die Provin-zialeintheilung *) als Quelle diente, eingeschaltet werden konnten. Darf somitdie Situationszeichnung der Karte eine gewisse Zuverlässigkeit beanspruchen,so kann nicht dasselbe von der Terraindarstellung gesagt werden, für welchedie publicirten Atlasblätter Coellos eben nur die fast gänzliche Unbrauchbarkeitder älteren Karten erweisen. Für den in jenen Blättern noch nicht darge-stellten weit gröbsten Theil der Halbinsel ist somit auch die im Stich theil-weise fast zu detaillirt und dunkel ausgeführte Bergzeichnung meiner Kartenur als ein, aus dem Studium der vorzüglicheren Werke über die Natur desLandes (Bory St. Vincent, Willkomm u. a.) hervorgegangener höchst un-vollkommener Versuch anzusehen, der fast nur in den südlichsten Theilen einefür den kleinen Malsstab ausreichende Begründung erhalten hat durch die mirvergönnt gewesene Einsicht einer von Prof. M. Willkomm in Leipzig , grofsen-theils nach Studien an Ort und Stelle entworfenen Karte von Andalusien (vonder der westlichste, die portugiesische Provinz Algarve umfassende Theil auchin der Berl. Zeitschr. f. Erdk. publicirt worden ist); die geognostisch-geogra-phischen Arbeiten von Wilhelm Schulz über Asturien waren zur Zeit derAusarbeitung meiner Karte in Deutschland noch nicht zugänglich. Für dasnördliche Portugal endlich gewährte mir Forresters Specialkavte des Douro -Laufes ( 0 Douro Portuguez e paiz adjacente und Mappa do paiz vinhateirodo allo Douro ) wenigstens eine schmale, aber sichere und von der Zeich-nung der altern Karten weit abweichende Linie, die leicht schliefsen läfst, wieungemein mangelhaft die Kartendarstellung der übrigen Theile dieses, in kar-tographischer Beziehung aufser der Türkei vielleicht unter allen europäischenam meisten vernachlässigten Landes zur Zeit noch bleibt**).

Für die statistische Anordnung der Ortschaften nach ihrer Gröfse fehlte leider zur Zeitder Bearbeitung der Karte noch das einzige in dieser Beziehung als brauchbar anzuse-hende Material, welches zuerst in Folge des Census von 1857 (für die einzelnen Ortenamentlich im 2ten Theile: Nomenclator de los pueblos de Espana, Madrid 1858) veröffent-licht worden ist, wahrend alle früheren Censusangaben, namentlich auch die in der ein-zigen uns damals zu Gebote stehenden Quelle, Plazds Dicionario estadistico de todos lospueblos de Espana , Madrid 1852, zu Grunde gelegten, über die wirkliche Zahl der Orts-bevölkerung im unklaren liefsen, indem in den verschiedenen Provinzen die verschieden-sten Zählungs - und Abgrenzungsarten befolgt waren: die Zahlen reprasentirten nur zumTheil die zusammengebauten Ortschaften, namentlich wo diese in schwach bevölkertenGegenden weiter auseinander liegen, z. B. auf der castilischen Hochebene; oft, nament-lich in den südlichen Provinzen, begriffen sie die Seelenzahl einer zerstreut oder in Dör-fern bewohnten, eine Stadt in der Nähe umgebenden Landschaft mit in sich, endlich inden dicht bevölkerten, aber mit nur kleinen oder zerstreut liegenden Dörfern bebautennördlichen Gebirgsgegenden, Galicien , Asturien , Santander, den baskischen Provinzenwaren überhaupt grÖfsere Zählungsbezirke, Complexe von vielen Ortschaften oder ganzeausgedehnte Thäler mit ihrer Gesammtbevölkerung gezählt und die betreffenden Zahlendem Namen des Hauptorts beigesetzt, wie ich dies bei Besprechung noch älterer undmangelhafterer Daten zur spanischen Statistik bereits 1853 (Zeitschr. f. allg. Erdk., red.v. Gumprecht, Bd. I. p. 5b) bemerkt habe: was jedoch Hrn. Gumprecht nicht abge-halten hat, in dem Auszuge aus Plazas Dizionario , welchen er 1856 (in PetermannsMittheilungen) veröffentlicht hat, jene überraschend grofsen Zahlen (mitunter 1020,000)bei Namen von obscuren Gebirgsflecken zu ganzen Hunderten für resp. Seelenzahlender einzelnen Ortschaften miszuverstehen, noch auch Hrn. Petermann in die dortp. 393 beigefügte statistische Kartenskizze von Spanien Dutzende jener angeblichen,in der That nicht existirenden grofsen Städte einzutragen, z. B. in Asturien allein 12von mehr als 10,000 Ew. und 16 von mehr als 5000 Ew., während in der ganzen Pro-vinz, nach Ausweis des neuen Census, überhaupt nur 2 von mehr als 10,000, und garkeine zwischen 10,000 und 3300 existiren: kein Wunder, dafs jene Skizze ein totalfalsches Bild der Bevölkerungsvertlieilung giebt. Wenn nun auch so starke Irrthümerdurch vorsichtige, stets mit älteren Angaben vergleichende Benutzung jener Daten aufmeiner Karte vermieden sind, so waren doch eben wegen der nicht überall kritisch zudurchschauenden Unzuverlässigkeit des Materials einzelne Fehlgriffe nicht zu vermeiden:namentlich sind in Folge davon einige kleinere Städte Galiciens , die Provineial-Haupt-stadt Murcia (mit den nächsten Ortschaften bei Platpa zu /3,248 Ew. angegeben unddanach von Petermann als der Gröfse nach 5te Stadt Spaniens aufgeführt, während dieStadt nach dem neuen Census in der That nur 26,888 Ew. hat) und einige andereals zu grofs angegeben: ein für das geographische Bild immerhin nicht sehr wich-tiger und nach dem oben angeführten sein entschuldbarer Uebelstand, dem erst beieiner neuen Ausgabe der Karte durch vollständige Benutzung der neuen Censuslistenwird abgeholfen werden können.

Nachträglich aufgefundene Stichfehler: Ia Pola de Lomana 1. Lena , dicht unter Oviedo in Asturien . Cuniza 1. Caniza und Cnlanova 1. Celanova in Galicien am Miho (Por -tugies. Nordgrenze). Mulpartida 1. Malp. bei Caceres in Estremadura , S. vom Tajo . Velaseo 1. Velasco am obern Duero bei Soria . Auiz in Navarra 1. Aoiz. A/erbein Nord-Arragonien am Kio Gailego 1. Anerbe. Der Name Martorell fehlt bei demOrtszeichen am Llobregat, NW. von Barcelona am Endpunkt der Eisenbahn. BeiValencia ist Aleira in Alcira , bei Gibraltar la in los Barrios zu ändern. In Portugal an der Ostgrenze N. vom Tajo Rosmaninhal zu lesen st. Rosmarinhai.

19* Frankreich ,

Nach dem soeben über die Beschaffenheit des Materials zur Zeichnungvon Spanien gesagten, welches zur Zeit der Bearbeitung der Karte von Frank­ reich (zwei Jahre früher) noch nicht einmal vorlag, mufste es höchst bedenk-lich erscheinen den von dieser Karte mit umschlossenen Theil des nördlichenSpaniens , welcher damals im Fluisnetz und Ortslagen nur nach den älterenfehlerhaften Karten ergänzt werden konnte, mit einer kaum mehr als ima-

*) Die Grenzen der althistorisclien grofseren Provinzen fallen zwar mit den neuen kleinereil Ad-ministrativgebieten nicht genau zusammen (wie dies auch namentlich bei Leon, Estremadura , Manehadie Stellung der Namen in der Karte andeutet), doch schien mir die Hervorhebung ihrer ungefährenBegrenzung durch breitere farbige Bezeichnung der entsprechenden heutigen Provinzialgrenzen, wie siemittelst des Farbendrucks hinreichend scharf ausgeführt werden konnte, die Uebersicht wesentlich zuerleichtern. In Portugal mufste die antiquirte Eintheilung in 6 Provinzen beibehalten werden, da esUber die jetzt gültige in 18 Comarcas an all und jedem Material fehlt.

**) Wenn eine in wenig gröfserem Mafsstabe entworfene, als Blatt des im Verlage des geogra-phischen Instituts zu Weimar erscheinenden Handatlas kürzlich ausgegebene Karte von Spanien gleich-falls im Titel (wie es für meine Karte erst hier im Texte geschieht) die Bezeichnung als Bearbeitungnach den CotUlosclien Karten trägt, so ist damit nicht etwa eine Benutzung der Originalquellenausgesprochen, sondern das wahre Sachverhältnifs das, dafs sie nach meiner vorliegenden Karte ver-gröfsert und hie und da wegen des reichlicheren Raumes mit einigen Ortsnamen mehr ausgefüllt wor-den und die Notiz über die benutzten Quellen von mir selbst mitgetbeilt worden ist; wie denn über-haupt mehrere der von mir für jenen Atlas vollständig ausgearbeiteten, auch zum Theil noch untermeiner Leitung gestochenen, aber erst lange nach meinem Abgänge von Weimar in. Stich vollende-ten Karten, z. B. Vorder-Indien, Oesterreich. Stat, von der jetzigen Verlagsfirma ohne mein Vorwissennicht mehr unter meinem, sondern unter dem Namen eines angeblichen Kedacteurs ausgegeben wor-den sind, dessen Antheil an der Arbeit sioh nur auf die Correctur der Stichfehler und die Angabeder Illumination beschränken kann, daher ich natürlich für die Correctlieit dieser, sowie anderer schonfrüher ausgegebener, neben der Weimarischen Firma noch meinen Namen tragender Karten (manchedavon sogar ohne mein Vorwissen mit neuen Jahrzahlen versehen! ) jede Verantwortlichkeit ausdrück-lich ablehnen mufs. *

ginären Bergzeichnung auszufüllen; selbst die auf dem jetzt vorliegenden be-richtigten Entwürfe der Pyrenäen - Halbinsel eingetragene würde in ihrer ge-ringen Zuverlässigkeit zu stark zurückstehen neben der Terraindarstellung vonFrankreich , welche, wenn auch für die südlichsten Landestheile bei derlangsam fortschreitenden Publication der neuen Generalstabskarten noch theil-weise auf die älteren Aufnahmen zurückgehend, doch bei der verhältnifsmä-fsig ausgezeichneten Beschaffenheit derselben und für die Reduction auf klei-nen Mafsstab in ihren cliaracteristischen Hauptformen unendlich viel mehrgesichert erscheint, als die des Nachbarlandes. Es blieb somit vorläufig keinanderer Ausweg, als die Terraiuzeichnung an den die Grenze unserer Kennt-nifs der wirklichen Terraiuformen bezeichnenden Landesgreuzeu abzubrechenund die Berichtigung und Ausfüllung späterer Zeit, gemäfs dem Fortschritteder spanischen Kartenpublication, vorzubehalten, so störend auch diese einzigeAusnahme im ganzen Plane des Atlas erscheinen mochte, welche natürlichmehrfachen, doch in der Sachlage wie mir scheint nicht gerechtfertigten Ta-del gefunden hat.

Orthographische Berichtigungen, welche ich freundlicher Mittheilung des Herrn Malte Brun zu Paris verdanke: Der Flufsname Ariege in den östlichen Pyrenäen, nicht, wiein Karte und Departements-Verzeichnifs steht: Airiege. Mont Lozere (nicht de la L.)in den Cevennen. Mont Don statt dOr, in der Auvergne (Dep. 62.). Ueberdieshat die Stadt Pontivy in der Bretagne (Dep. 55.) sich neuerdings die Veränderung ihresalten Namens in NapoMonville müssen gefallen lassen. Monisfcrol an der obern Loire (Dep. 42.) ist ein in älteren Exemplaren stehen gebliebener Stichfehler statt MonisAol. Wegen einiger nicht ganz correct geschriebener deutscher Namen im Elsafs und Loth­ ringen (Bockenhain, Saarburg , Mauermünster) vgl. Bl. 6.

21. Britische Inseln.

Das Blatt ist für England nach der Index Map des Ordnance Survey undden unter Arrowsmiths Autorität erschienenen Eisenbahnkarten, in Bezugauf das Terrain nach den grofsen von Greenough u. A. redigirten geologi-schen Karten reducirt; Schottland nach der mit vorzüglicher Sorgfalt gear-beiteten Karte dieses Landes von Johnstone in Edinburgh , Irland nach derneuen officiellen Eisenbahnkarte (mit Terrain) in 6 Blatt*).

22. Dänemark und südliches Schweden .

23. Gesammtkarte der Skandinavischen Halbinsel.

Während für den relativ kleinen Mafsstab, in dem hier Dänemark er-scheint, schon in den bekannten Reductionen der Generalstabskarten, fürNorwegen in der trefflichen, alles zusammenfassenden Arbeit des Prof.Munch zu Christiania ausreichendes Material vorlag, ist der Kartograph fürden weit gröfsten Theil Schwedens noch immer auf die für ihre Zeit un-gemein verdienstliche Karte von Forsell angewiesen, die doch an erheblichenFehlern leidet, wie ihre Vergleichung mit den unter Autorität der Regierungerschienenen Karten einzelner Läne, und den danach reducirten, bis jetztaber nur die Hälfte des südlichen Schwedens umfassenden Blättern von A.Hahr (Bl. 1 u. 2, 1853, Bl. 3 u. 4, 1855, seitdem keine Fortsetzung) erweist.Da überdies das für Fi ul and, ein von dem Gesannntbilde der die Ostsee umgebenden Landschaften auf eine keine Weise auszuschlicfsendes Gebiet, zurZeit der Bearbeitung vorliegender Karten verfügbare Material, namentlich dieKarte von Eklund, besonders in Bezug auf Terraindarstellung noch viel zuwünschen übrig liefs (die gröfse Höhenkarte von Gylden gelangte erst späternach Deutschland ), so erschien die vorläufige lithographische Ausführung völ-lig gerechtfertigt, während eine, bei dem gerade für diese Blätter schwierigenSituations- und Terrainstich sehr zeitraubende und kostspielige Ausführung inKupferstich billig wenigstens bis nach Vollendung der Hahrschen Karte vonSchweden vertagt bleibt. Das Kärtchen von Island ist nach der vonOlsen zu Kopenhagen herausgegebenen Karte ton Guunlaugsson (1844)reducirt.

Stichfehler in No. 22: Kongee# - bei Göteborg (58° Br.) lies Kongeetf. Bjorketorp,südöstlich davon, 1. Bjorketorp. Atrfm, 57^° Br. 31° L. Ferro 1. Mträn.Asanden-See, 58° Br. 334 L. F. 1. Aswnden. Anderslof an der sclnved. Südküste 1. Anderslöf.Auf der Insel Dagden ist das rinvollständige Kr. zu ergänzen in Kr(eis) Wieck, welcherzu Ehstland gehörig, aufser der Insel die östlich davon gelegene Küste mit der Haupt-stadt Hapsal umfafst, während die Insel Oesel mit Mohn als Kreis Arensburg zu Liefland gehört, welches administrative Verhältnifs auch auf Bl. 23. durch die Illumination nichtdeutlich genug bezeichnet ist.

24. Russland .

Bis zum Erscheinen der seit einigen Jahren verheifsenen, wenigstenszum Theil auf neuer astronomisch-geodätischer Grundlage beruhenden grolsenKarte des europäischen Antheils dieses Reiches, welche dem Vernehmen nach1861 gleichzeitig zu Petersburg in russischer, zu Gotha in französischer Aus-gabe ans Licht treten soll, bleibt noch die bekannte Schubertsche Karte von1828 in 8 Blatt (ohne Terrain) die für den Masstab unserer verkleinertenKartenbilder völlig ausreichende Grundlage des gröfsten Tlieiles der Zeich-nung; einzelne Nachträge, besonders in Bezug auf Stralsen, neu angelegteStädte und Festungen, kleine Veränderungen in der administrativen Einthei-lung u. a. ergab die vor einigen Jahren von der General-Post-Direktion inSt. Petersburg herausgegebene Stralsenkarte. Die daneben benutzten topogra-phischen Specialarbeiten erstrecken sich, aufser dem Kaukasus , vorzugsweiseauf das Gebirgsland des Ural : die neue Aufnahme der Nordhälfte durchOberst Hoffmaun, mit ihrer westlichen Ergänzung über das Petschora -undTiman-Land durch die schon vorangegangenen Arbeiten Krusensterns undKeyserlingks; die mit gründlichen Berichtigungen der Topographie ver-bundene Reoognoscirung der Südhälfte durch Murchison und Verneuil,nebst den in den Karten des Guberniums **) Orenburg und der Kmdsenstep-peu niedergelegten Recognoscirungen russischer Ingenieure.

*) Ein paar von Hrn. E. Ravenstein in London gütig mitgetlieilte kleine orthographischeBerichtigungen sind mit den von demselben erhaltenen, zur Vervollständigung der Karte seitdem be-reits benutzten neuen Eisenbalmstrecken in dem diesem Hefte beigegebenen gestochenen Blatte derNachträge angemerkt worden.

**) Dieser auch in der österreichischen Statspraxis üblichen Wortform, als der ursprünglichen, habeich, weil sie auch in der russischen Form Gubermn mit blofser Veränderung der Endung beibehaltenerscheint, den Vorzug vor der gewöhnlichen Französirung in Gouvernement gegeben.