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Neuer Handatlas über alle Theile der Erde / entworfen und bearbeitet von Dr. Heinrich Kiepert, Mitglied d. Königl. Academie der Wissenschaften zu Berlin
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Diesen reihen sich seit dem Erscheinen Unserer Karte die von Statsrath Bergsträsser (inPetermanns Zeitschrift) veröffentlichten topographischen Arbeiten über die Astrachanische Provinzan, welche demnächst im Laufe der unteren Wolga und des Manytsch einige Modificationen erfor-derlich machen werden, sowie im südlichen Theile der Ostküste des Kaspischen Meeres Vermes-sungen, welche daselbst erst im Frühjahr 1859 in Folge der russischen Besitznahme stattgefundenhaben und mir durch Hrn. Statsrath Chanykoff gütigst mitgetheilt sind: danach kommt dasganze Küstenstück von der Mündung des östlich ins Land einschneidenden Meerbusens (auf welcheenge Mündung der Name Karaboghaz zu beschränken ist, während der Busen selbst Adji Darjaheifst) bis zur persischen Grenze nebst den vorliegenden Inseln um fast einen halben Längengradöstlicher zu liegen, und das Areal des Meeres vergröfsert sich um mehr als 100 deutsche Quadrat-meilen. Die den russischen Besitz bezeichnende rotlie Farbe ist demnach auch längs dieser ganzenKüste bis zur persischen Grenze weiter zu ziehn; der am nordwestlichen Vorsprung derselben lie-gende, vor etwa 10 Jahren angelegte, befestigte Handelsplatz Nowo-Petrowsk hat jetzt, wie manuns aus Petersburg mittheilt, den Namen Alexandrowsk erhalten, nachdem das früher so benannteund in vorliegenden Karten eingetragene Fort an einer östlicheren Einbucht gänzlich verlassenworden ist; dasselbe soll mit der an der Mündung des Syr in den Aral-See angelegten, bereitszur künftigen Stadt bestimmt gewesenen Feste Aralsk geschehen, dagegen das Inselfort Kos-Aralauf die östlich gegenüber liegende Landspitze verlegt worden sein. Eine andere Veränderung be-trifft die durch die völlige Unterwerfung der Gebirgsvölker des Kaukasus (bis jetzt noch miteinziger Ausnahme der beiden westlichen Tscherkessen-Stämme Schapsuch und Natochuadj) in Weg-fall kommenden Grenzlinien, an deren Stelle wahrscheinlich Veränderungen in der ganzen administra-tiven Eintheilung der nordkaukasischen Bergländer mit nächstem bevorstehen; in den südkaukasi-schen ist inzwischen, unter Beibehaltung der früheren Grenzen, eine Veränderung in der östlichenProvinz erfolgt durch Verlegung des Regierungssitzes aus der durch das vorjährige Erdbeben fastgänzlich zerstörten Stadt Schemachi nach Baku , welcher letztere Name demnach an Stelle desersten jetzt zu unterstreichen ist. Es versteht sich, dafs alle diese Berichtigungen, ebenso auchdie im Mafsstab gleiche Karte von Vorderasien (No. 28.), sowie die Generalkarten von Europa und Asien treffen. Im Stich übersehen ist in den früher gedruckten Exemplaren der nichtwohl zu missende Name eines starken südlichen Zuflusses des Prypet (so mit russischem Namen,die polnische Form ist Przypzec, spr.pjetz, nicht wie in der Karte irrig steht Przyprec) in Wolhy­ nien , des Styr, der an der neuen Festung Luck (sprich Lutsk ), oder wie sie jetzt russisch be-nannt wird, Michailogorod , vorbeifliefst.

25. Türkei und Griechenland .

Nachdem ich über den aufserordentlich mangelhaften Zustand der Quellenfür Kartographie der südöstlichen Halbinsel Europas bei Gelegenheit des Er-scheinens meiner grofsen Karte der Türkei in 4 Blatt 1853 ausführlich berich-tet, bedaure ich jetzt erklären zu müssen, dafs die von der Anwesenheit vielerdazu befähigten Europäer während des letzten orientalischen Krieges erwar-teten Förderungen der geographischen Kenntnifs dieser Länder unter dem be-scheidensten Mafse zurückzubleiben scheinen. Nur die Nord-Donauländerhaben bekanntlich der langem Anwesenheit österreichischer Truppen den Ge-winn einer vollständigen und den frühem Versuchen (von 1791 und 1829)gegenüber gewifs sehr viel sorgfältiger ausgeführten militärischen Aufnahmezu verdanken, an deren Veröffentlichung und Nutzbarmachung für die Wis-senschaft jedoch dem Vernehmen nach unter den jetzigen Zeitumständen nochlange nicht zu denken ist *). Die dauernde Anwesenheit englischer und fran-zösischer Officiere während des Krieges beschränkte sich auf den bereitsim Verfolge des vorigen russischen Krieges (1828 1829) befriedigendererforschten östlichen Tlieil des Landes; die zu derselben Zeit von ver-schiedenen europäischen Agenten im Innern des Landes ausgeführten zahl-reichen Reisen, meist flüchtig und in Verfolgung ganz anderer Zwecke aus-geführt, haben zu keinen für die Geographie nutzbaren BerichterstattungenVeranlassung gegeben. Reisen in den Jahren 1857 u. 58 in Bulgarien , Ser­ bien und Macedonien von Lejean und A. v. Hahn ausgeführt, über diejedoch bis jetzt nur kürzere Notizen publicirt worden sind, versprechen indieser Hinsicht bedeutendere Resultate, während des französischen Consulszu Scutari , Heequard, Buch nebst Karte über Albanien kaum irgend we-sentliche neue Beiträge für den kleinen Malsstab meiner Karte gewährt. Sobleibt die kartographische Darstellung des westlichen Tliraciens und östlichenMacedoniens, besonders des Gebirgssystems der Rhodope durch den franzö­ sischen Reisenden Viquesnel, welche im Jahre 1854 zu spät für die Be-nutzung in meiner grofsen Karte ans Tageslicht trat, für das vorliegende re-ducirte Blatt die einzige gröfsere Bereicherung; sonst haben nur die Contou-ren einiger Inseln des Archipelagus durch die fortgesetzte Publieation derneuen englischen Seekarten, namentlich in dem jetzt vollendeten Neustich derKarte an Schärfe und Genauigkeit gewonnen; eine Ausnahme davon bildennur die südlichsten: Karpatho und Kaso, über die noch gar keine zuverläs-sige Aufnahme vorliegt, und Greta, von welcher die Vollendung des engli-schen Survey dem Vernehmen nach erst in einigen Jahren zu erwarten ist.

Hinsichtlich der augenblicklich gültigen, bekanntlich häufig wechselnden,administrativen Eintheilung waren im Jahre 1853 mehrfache Anfragen frucht-los, und mut'ste ich bei älteren Angaben der russischen und österreichischenKarten stehen bleiben; erst später gelangte ich durch gefällige Vermittelungvon Beamten der hiesigen osmanischen Gesandtschaft in Besitz von Auszügenaus dem officiellen Statskalender, aus welchem allerdings nur die rohestenUmrisse, durch Aufzählung der zu jedem Ejalet gehörigen Liwa's **) nachihren Hauptorten, keineswegs die genauen Begrenzungen zu entnehmen sind:nur für einige der anatolisehen Provinzen haben wir durch Herrn GonsulMo r dt mann's Angaben (Aufzählung der Unterbezirke, nahieh oder kaza,mit Angabe der Resultate der letzten Volkszählung in Petermanns Zeit-schrift) speciellere Daten erhalten; doch blieb, wenn überhaupt eine demjetzigen factischen Zustande entsprechende Eintheilung in der neuen Ausgabeder Karte eingetragen werden sollte, nichts übrig, als die in den meistenFällen sehr hypothetische Ausfüllung der Grenzen nach den obengenanntenAndeutungen. Zuverlässigere Angaben sind mir für eine neue in manchenPunkten berichtigte. Ausgabe der Karte von einem befreundeten Kenner desLandes und seines jetzigen Zustandes in Gonstantinopel gütigst zugesagt.

ASIEN .

No. 26 30.

27. Klein-Asien, Syrien , Armenien .

Ueber die topographischen Grundlagen dieser Ländergebiete habe ichwiederholt bei Veröffentlichung speciellerer Karten (Klein-Asien mb Bl.mitMemoir 1854. Euphrat -Tigris -Länder im Atlas zu Ritter s Erdkun eHeft 4. 1853) so ausführlich berichtet, dafs hier eine einfache Verweisungauf jene Angaben genügen wird. Der Fortschritt der Erforschung ist aufdiesem Terrain im letzten Jahrzehnt unerwartet viel langsamer geblieben,in den beiden vorangehenden; die für Topographie ziemlich geringe Ausbeuteaus den mehrjährigen Reisen russischer Forscher in Klein-Asien : Generalv. Wrontschenko (1834-35, aber erst vor kurzem publicirt) und Pv. Tschichutscheff, ist bereits in meiner Karte dieses Landes von 18 o 4(in 2 Bl. im doppelten Mafsstabe der vorliegenden) verwertet. Von Tschi-chatscheffs letzter 1858 unternommener Reise m Armenien und dem nörd-lichen Klein-Asien konnten die Hauptresultate (nach der Publieation m derBerl. Zeitschr. f. allg. Erdk.) noch in den durch Abnutzung der ersten Platteerforderlich gewordenen Neustich der Karte aufgenommen werden; währendauf die Veröffentlichung des dieselben Gegenden betreffenden weit genauerenItinerars von H. Barth seit einem Jahre vergeblich gewartet wurde. Sonsthat nur die Darstellung des östlichen Syriens , durch Aufnahme der dasbisher erforschte Gebiet bedeutend nach Osten erweiternden Entdeckungendes Consuls Wetzstein (gleichfalls in derselben Zeitschrift 18o9 publicirt)in der neuen Ausgabe erheblich gewonnen, während die Eintragung der jetzi-gen administrativen Eintheilung (vgl. oben No. 25) bei der Unzuverlässigkeitdes dazu benutzten Materials kaum als ein reeller Gewinn angesehen werdenkann; doch sind mir auch hier, wenigstens für einzelne Landestheile, genauereAngaben in handschriftlicher Mittheilung für die nächste Zukunft m Aus-sicht gestellt.

von jdiussu

Axivau.uazaT,

nachträglich verbessert werden: st. Nwrly nördlich ^ 51° L. 1. Gülnar, st. Seserek,37° Br. 49° Lg. (Ferro) 1. Aksubazar, st. Qa\mer, g7 n L x Q evmi i ü

zw. 38 a. 39» Br. 53-54» L. 1. Seresek, st. Gertneth « ^ ^ 61# L ^

st. Midifa über 38° Br. 59» L. 1. Müüifan, st. Ama 35 o Br . 550 L- ,

Amadto u. Daüdia, st. Seim 36» Br. 61 B. 1. ea> ,. st . Lopitho, Andima.

Salemie; auf Cypem an der Nordküste Lapitho, Sudkuste Ardim ,

28. Vorder-Asien. . , Herrschaft in Asien un-

Da die östlichsten Theile des der O smau Bupbrat und Tgris durch-terworfenen Gebietes, nämlich das von- dem un Thätigkeit genauer er-

flossene Tiefland (mit Ausnahme der durch en biete gegen Persien

forschten Stromlinien selbst) und die Kurdisci vor der Ha nd noch

zu den weniger bekannten und für die lnteress 1 ^ genauere Kenntnifs

weniger wichtigen Erdräumen gehören, an e ^ politischen Grenzlinie

ihrer Topik, ihrer Oberflächengestaltang, ja » aber immer noch nicbt

selbst erst von den schon 1851-52 ausg und russiscber Be _

veröffentlichten Arbeiten der '^der Müwirkm^ Tgchirikoff) arbeitenden

vollmächtigten (der Generale Williams d u so konnte ibre

türkisch -persischen Grenzcommission zu _ ^ ^ ^ ^ ^

summarische Darstellung für die a lgemci und you dem de _

auf den kleineren Mafsstab dieses Blattes 28 \ ^ ^ Aufeahme deg pQ _

taillirteren Blatt 27 ausgeschlossen bleiben, q der Vollständigkeit in

litischen Gesammtgehiets der Türkei zum S SQwie der

wichtigeren Gebieten wie Syrien und dem&6 gearbeiteten Karte der

bequemeren Vergleichung mit der tcrkleiucrt werden müssen. Ueber

europäischen Türkei, im Mafsstab hatte v U welche in Ermangelung

die Grundlagen der Zeichnung von Iran u T^ ^ ^ ^

bedeutenderer neuer Forschungsreisen aucl dieger

gebUeb» lab, ich » e» K» ^ ^ ^

zu Ritter s Erdkunde Heft 3, 1852 vorzüglich der nördlichen

heb erwächst wieder der Landeskunde P bifjber sebr f ragmentarische

Provinzen, em bedeutender und v elfa h * f ^gestaltender Zuwachs nachKenntnifs besonders der inneren ^ Regiemn g ausgesandten wis-

gliicklicher Rückkehr der von der russisch . 1 , ....

seiuchaftlichen Expedition, voll deren wichtigen Erg i ge a ig

Mittheilung des Hm. N. Ch.nyko« » eben nud, d.e denteohe rbhcnmvorläufig unterrichtet wird (vgl. Zeitscli. fi ndg- \ ' , i

diesen, so wie den von cLnykoff bereits Mb« Ah T

(Axerbeidjän *)nd Ardilän) »usgeffitate, topographischen Arbeiten, welche

1 , ... TmLücation entgegengehen, wird em grolser

letzt gleichfalls ihrer baldigen rubiicatmi ^ 0

m. -i 1 .. .v.. -j. ..afVistem einer vollständigen Umarbeitung

Theil des vorliegenden Blattes mit nächst &

, ° , , vielleicht auch schon von der proiectir-

unterworfen werden müssen, welche vim c , . , , . .

te» Gesandtschaftsreisc »ach Ckokani am ober» Syr, dembekanntestenTheile der Tnranischen Landschaften, einige» Gewi» riehen wird. In Er-

, v TT ,i.i.p, für die Besitzer des Atlas eine notk-

wartnng dieser Umgestaltung, weicne , ... . , . , ...

v -n 1 Vcrrpnden Blatte bilden wird, scheint es uber-

wendige Ergänzung zu dem vorliegend .... ... ,

... . . , x-r . , 1 die sich m demselben schon jetzt nach-

flussig, auf einzelne Unrichtigkeiten, u , , , , . . r , , . ,

. , .Lau- dieiemgen, welche das russische Gebiet

weisen lassen, aufmerksam zu machen, j o

hetreffen, sind schon oben an Blatt 24 »ngc&brt worden ).

*) In der Moldau ist die beibehaltene Form des Namens der Hauptstadt, Jassy (ebensowohl wiedie gewöhnliche Schreibart für die walachische Hauptstadt Bukarest ), ein Rest eingewur ze lf er durchmagyarische Vermittelung zu den Westeuropäern gelangter alter Schreibweise, und hätte sollen ebensogut wie letzteres in Bukurescht, in das der Aussprache entsprechende Jaschi verwandelt werden diesgilt ftlr alle Karten, in welchen der Name vorkommt: Europa , Oesterreich, Rufsland u. s. w.

**) Diefs (nicht mehr das veraltete Sandjak d. i. Fahne) ist die officielle Benennung der Unter-statthalterschaften, von den Europäern gewöhnlich, weil der Statthalter auch den (militärischen) Pascha-Titel führt, Paschalyke genannt; Mudirlyk als synonym von Ejalet auf der Karte ist ein Schreibfehlerstatt Muschirlyk, abgeleitet von Muschir, dem Titel eines Oberbefehlshabers, aber ebenfalls a i 8 Bezeich-nung ohne officielle Autorität besser zu streichen.

inz setDst uonene Aussprache. Statt der arabischen Aus

. w.Kiscnen Dialekte der Prov . tadt ; st die ächt persische Form Isnahän anf alle:

spräche Is/ahän für den Namen der ä ^ terot ) leD "

Karten,, wo der Name vorkommt, herzust ^ e ^ or g e hende Berichtigung ist indessen hier anzugehen, d,

**) Eine aus neuesten Nachrichten Blättern , auf denen Arabien enthalten ist (also die Ge

sie bedeutend genug ist, um in sämtn 1 Erdkarten No. 1. und 2.) aufgenommen zu werden; si

neralkarten von Asien und Africa Ein fl u sse unabhängigen Wahahiten-States in Nedjd, frühe

betrifft die Hauptstadt des von türk i® t8rung dieser Stadt durch die Feldzüge Muhammed Alis voi

bekanntlich e<J-Deratje, nach der .^ arten er -Rijad verlegt, welches daher seitdem in Ermange

Aegypten im J. 1828 nach dem c}ien Karten als Hauptstadt figurirte, diese Bedeutung indef

lnng neuerer Nachrichten auf ( ul ' 0 nac h den Angaben des Hm. Cons. Wetzstein seitdem Deraij'

nur als vorübergehend gehabt a i . des Wahahiten-Sultans geworden ist.

neu anfgehaut und wieder Sitz der Kegieruug