194 Drittes Buch.
Die Jesuiten wußten schlau genug die Nachtheile zuberechnen, die aus der Kultur der Wissenschaften nichtbloß für das System der römischen Hofkirche, sondernauch für das System einer jeden despotischen Regierungentstehen mußten. Diese Systeme können sich nur mittelstemer gänzlichen Unterjochung des menschlichen Geistes er.hatten. Alle Despoten müssen ihrer eigenen Sicherheitwegen genau die Grenzen bestimmen, über welche hinaussich die thätige Kraft der Vernunft nicht wagen darf.
Diesen mächtigen Feind, die Deuk 'reyheit, zu fesseln,war die Hauptabsicht der Jesuiten. Sie mußte ihnen umso besser gelingen, da sie zugleich die Kunst verstunden,Liese Absicht mit einem täuschenden Schimmer von Gelehr-samkeit zu umgeben. Man ließ sich von diesem künstlichenSchimmer so sehr blenden, daß man nicht müde wurde,die trefliche Erziehungskunst der Jesuiten und ihre weitum«fassende Gelehrsamkeit zu bewundern. Selbst Männervoll Scharfsinns, wie z. B. Baco von Verulam,wurden von dieser Täuschung verleitet, det jesuitischenErziehungskunsi ein unverdientes Lob zu geben. Wahrist es, daß der Orden einzelne große Gelehrte auszuweisen> hatte. Mein man muß nie vergessen, daß die Jesuitenvon jeher aüe junge Leute von ausgezeichneten Fähigkeitenin ihren Orden zogen, und daß es ihnen weniger als an-dern Religiösen an Gelegenheiten fehlte, den Kreis ihrerKenntnisse zu erweitern und ihren Geist auszubilden. Inihren Schulen mußten sie so zu sagen von unten auf die.nen, und mancher Jesmte erhielt seine Beförderung zu hö-heren Ordensgraden erst, nachdem er zuvor ein halbesJahrhundert das Amt eines öffentlichen Universitätsleh-rers verwaltet hatte. Nebst dem wurde der Jesuite durchäußerliche Verhältnisse, durch den Umgang mit der feinenWelt, durch das Ansehen, in welchem er an Höfen undbey den Großen stund, in dem Eifer, sich als Gelehrtervortheilhaft auszuzeichnen, ungemein begünstigt und auf-