Geschichte der Jesuiten. 2g5
sogar aus Drutschland Theologen kommen, die sie ih«rcr Gemeinde vorsetzten. Das Parlcment von Aix aberwidersetzte sich mit Nachdruck diesem Kctzerwesen, undsprach wider die Einwohner von Merindol eine äußerstgrausame Sentenz, die jedoch durch Vermittelung wiederaufgehoben wurde. König Franz H. ließ sich über dieLehre der Waldenser einen Bericht erstatten, der inder Hauptsache dahin ausfiel: „Die Waldenser seyen„Leute, die seit drcyhundcrt Jahren mit unermüdetem„und »«belohntem Fleiß ein rauhes und unfruchtbares„Erdreich bearbeiteten; sie seyen im höchsten Grade der„Arbeit und des Hungers gewohnt; sie waren Feinde des„Zankes, und gegen Dürftige freygebig; sie hatten von„jeher mit vorzüglicher Treue ihren Fürsten die Abgaben„entrichtet; ihr Gottesdienst bestünde in unermüdetem„Gebete und in der Unschuld ihrer Sitten; übrigens gien«„gen sie selten zur Kirche; sie würfen sich nicht vor heiligen„Bildern auf die Erde: sie opferten diesen keine Wachs«„lichter oder andere Gaben; sie ließen von ihren Priestern„für Verstorbene keine Messen lesen; sie bezeichneten sich„nicht mit dem gewöhnlichen Zeichen des Kreutzes; wenn„ es donnert, besprengten sie sich nicht mit geweihtem„Wasser, sondern flehten mit zum Himmel erhobenen„ Augen Gottes Hülfe an; sie pflegten nicht an heilige„Orte zu wallfahrten, auch nicht auf ihren Reisen vor„einem Krucifixbilde das Haupt zu entblößen; sie verrich.„ teten ihren Gottesdienst auf eine andere Weife und in der„Volkssprache; sie ehrten endlich nicht den Papst oder die„Bischöfe, sondern sie wählten sich aus ihrer Mitte ihre„Vorsteher und Doktoren" *).
Dieses waren die Verbrechen, die man einem schuld,losen Haufen Menschen zur Last legte, die in der schönenEinfalt ihrer Denkart und Sitten wohl ein ganz anderes
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