zo6 Fünftes Buch.
es sonst unerklarbar wäre, wie der Papst, der doch demOrden in allen Absichten so günstig war, auf einmal soaufgebracht gegen denselben hatte werden können.
Diese Bitterkeit des Papstes wurde noch vermehret,als sein Nepote der Cardinal und Erzbischof von Mai-land, Carl Borromaus, sich zum Nachtheile desrömischen Stuhles in die Stricke der Jesuiten verflocht,und nebsidem, baß er selbst Jefuite werden wollte, demOrden unermeßliche Reichthümer zugewandt haben soll.Außerdem beschuldigte man noch den Beichtvater des Car»dinals, den Jesuiten Ribera, ganz unnatürlicher La-sier, und vornamlich der Knabcnschandung §). Ueberdiesen Frevel der Jesuiten entrüstete sich der Papst so sehr,daß er dem General Lainez und dem Beichtvater Ri-bera schlechterdings allen fernern Umgang mit dem Car-dinal untersagte. Da bey diesem Anlasse auch die übrigenFeinde des Ordens neuerdings mit Beschuldigungen zumVorschein kamen: so fehlte cS nicht viel, daß der Papstnichr alle Jesuiten aus Rom vertrieb. Lainez brachtealle Maschinen seiner Politik in Bewegung, um sich ausder Verlegenheit zu zieh», in die ihn die Ungnade dcS Pap-stes, und die Geschäftigkeit seiner Feinde versetzte. Umdas gemeine Volk zu erbauen, schrieb er für seinen ganzenOrden allgemeine Bußtage auS. Man betete öffentlich inden Collegien für die Gesellschaft; man fastete, man geis-selte sich. Wahrend sich das Volk bey dem Anblicke dieserfiommcn Pußwerke mit den Jesuiten versöhnte, wußte ,hrGeneral sich sehr gcsch ckk der besondern Gunst deö Car«dinals Sa beili zu bedienen, um durch ihn den aufge-brachten P ipst wnder zu gewinnen. D-cser schwache, auf-brausende Kopf der keiner Leidenschaft mächtig, und überalle Beschreibung cucl war, versöhnte sich auf du feyerlichste
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