Band 
Erster Band.
Seite
320
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Z20 Fünftes Buch.

Epätjahre mit einer ansehnlichen Armee einen äußerst be-schwerlichen Zug über die Sav oy ischen Alpengebirge an.

Schrecken und Entsetzen giengen seinem Heere voran.Ehe er noch die Niederlande erreichte, halten schonhunderttausend Bürger ihr Vaterland und ihr Eigenthumverlassen *). Sein Einzug in Brüssel war der Triumpheines Henkers. Eine todte Stille herrschte durch alleStraßen. „Ueberall fremde Gesichter, menschenleere„Straßen, alle Häuser verriegelt, alle Spiele eingestellt,„alle öffentlichen Plätze verlassen; die ganze Residenz, wie„eine Landschaft, welche die Pest hinter sich liegen ließ.„Ohnewie sonst gesprächig beysammen zu verweilen, eilten„Bekannte an Bekannten vorüber; man förderte seine„Schritte, so bald ein Spanier in den Straßen er-„ schien. Jedes Geräusch jagte Schrecken ein, als pochte„ schon ein Gerichtödicner an der Pforte; der Adel hielt„sich bang erwartend in seinen Häusern; man vermied, sich„öffentlich zu zeigen, um dem Gedächtniß des neuen Statt.„Halters nicht zu Hülfe zu kommen. Beyde Nationen„schienen ihrenKaraktcr umgetauscht zu haben; derSpa-„nier war jetzt der Redselige, und der Brabanter„der Stumme; Mißtrauen und Furcht hatten den Geist„ des Muthwillens und der Fröhlichkeit verscheucht, eine„gezwungene Gravität sogar das Minenspiel gebunden.„Jede nächste Minute fürchtete man den niederfallenden„ Streich. Seitdem die Stadt denspanischen Heerfüh.„rer in ihren Mauern hatte, crgieng es ihr, wie einem,„ der einen Giftbecher ausgeleert und mit bebender Angst„ jetzt und jetzt der tödtlichen Wirkung entgegenharrt **).

Des Herzogs erste Verrichtung war, den Geist derNation durch ein öffentliches Religionsedikt und durch die

*) Fr. Schillers Geschichte des Abfalls der Vereinigten Nie-derlande von der spanischen Regierung. Theil l. Buch tU.S. züz.

") Ebendaselbst. S. Z66. n. s.