Geschichte der Jesuiten. 175
So wie es die Päpste großcnthcils den Jesuiten zuverdanken hatten, daß die Absicht und der Zweck des Tri-«nterkonzils vereitelt und verfehlt wurde, eben so kannman es hauptsächlich auch ihnen zur Last legen, daßder gesunde und helle Geist, der unmittelbar nach der Re.formation einiges Licht über katholische Staaten zu ver-breiten anficng, verdrängt wurde. Denn bald nach derEntstehung der Jesuiten kam es dahin, daß man Beden-ken trug, sich auf oas Kostnitzer. und Baslergeneralkon-zil in Provinzialsynoden zu beziehen. Die Fürstenkonkor-date, und die kirchliche Reformationsformeln wurdengänzlich in Vergessenheit gebracht. Bellarmin gab sichsogar Mühe, das Kostnitzer. und Baslerkonzil aus denökumenischen Kirchenversammlungen zu vertilgen, und da-gegen die falschen Jsidorischen Dekretalen wieder in Auf-nahme zu bringen. Um mit Einem Streiche die Bemü-hungcn aller aufgeklarten Bischöfe und Landesregenten zuvereiteln, bewies er mit stolzer Zuversicht die Untrüglich,keit des Papstes in Glaubenssachen, und seine Oberherr-schaft nicht allein über alle geistliche Personen und Güter,sondern auch sein unbeschränktes und göttliches Recht überalle und folglich auch weltliche Lunge. Er bewies, daßder Papst zum geistlichen Wohl die höchste Macht habe,über alle zeitliche Güter aller Christen zu schalten; daß er,wenn es zu einem geistlichen Cntzwcckc nöthig sey, dieweltlichen Machte auf alle Arten, welche er für dienlicherachten wird, zwingen und strafen könne und müsse; daßer die Reiche als höchster geistlicher Fürst andern, und sienehmen und geben könne; daß die Geistlichen nicht an diebürgerlichen Gesetze gebunden seyen; daß es ein Irrthumsey, zu glauben, daß die Macht der weltlichen Fürstenunmittelbar von Gott komme, so wie die Macht des Pap.sies von ihm kömmt; daß Unterthanen vom Eid der Treuegegen ihren Regenten frey seyen, so bald diese als Ueber,treter des Glaubens und deö Gesetzes Jesu Christi erklärt