Band 
Zweyter Band.
Seite
230
JPEG-Download
 

2ZO

Achtes Bucht

den Pferden zerrissen werden sollte, mit folgenden Wortengegen seinen Beichtvater: „ Wenn ich je daran gedacht„hatte, das sehen zu müßen, was ich jetzt sehe; wenn ich„gewußt hätte, wie sehr das Volk den König liebt, ich„hätte niemals den Schritt gethan, der mich hicher führt,„und den ich von ganzer Seele bereue. Allein ich war„immer der zuversichtlichen Meynung (und man hatmich dessen unter Augen sehr oft versichert)„daß ich dem Volke durch die Ermordung des Königes ein„angenehmes Opfer bringen, und daß mir dasselbe dank»„bare Erkenntlichkeit dafür beweisen würde. Allein nun„sehe ich im Gegentheile, daß eben das Volk Pferde zu.„ führt, die mich zerreissen sollen *)." Eine denkwürdigeRebe, die allerdings für einen Beweis angesehen werdenkann, daß Navaillac Mitschuldige gehabt habe, wel»che ihn mit der zuversichtlichen Hoffnung schmeichelten,daß die Ermordung des Königes dem Volke «in angeneh«mes Schauspiel seyn würde.

Ein anderer Umstand, den man vergaß, in den Verrbalprozcß aufzunehmen, ist, daß Ravaillac auf denersten Pferdezug losgelassen zu werden verlangte, und demGreffier eine Art Testamentes in die Feder diktirte. Alleindieses Testament ist geflissentlich mit so unkenntlichen Ka.ratteren geschrieben, daß es bis auf diese Stunde auchdem geübtesten Schriftenkenner unmöglich war, einenSinn herauszubringen. Dieser Umstand hat den Greffierin Verdacht gebracht, daß sich der Inhalt dieser Akte aufirgend ein Geheimniß beziehe, das er seiner eigenen Sicher»heil wegen, und wahrscheinlich auf höher» Befehl zu un»terdrücken für gut befunden hat **).

») Als eines derPferde, die ihn zerreissen sollten, aus Müdigkeitnicht mehr vorwärts ziehen wollte, näherte sich ein Edelmanndem Schafott, stieg vvm Pferde, und ließ dasselbe an dieStelle des ermüdeten spannen. ZrL.

**) dlemoiror cls Looäe. Tom. Vl. llsiis I'