iz8 SechSzehntes Buch.
bey weitem denjenigen Grad von wissenschaftlicher Kulturnicht erreichten, den man zu erwarten berechtigt war. Einer-seits lauerten die Jesuiten, die unter ihrer Regierung öffent-lich keine große Rolle spielten, im Hinterhalte, und schadetendem Guten so oft, als sie es ungestraft wagen konnten, vonferne her und ungesehen ihre Pfeile fliegen zu lasse». Ma-ria Theresia halte ein frommes, gutes Herz; und manweiß es aus der Geschichte, wie leicht es den Tartüfcn sey,unter der Maske von Frömmigkeit und Diensttreue sich Ge-hör zu verschaffen. Anderseits aber suchte der Kardinalerzbi-schof, durch gewisse Gegenanstalten, den Lauf der Reforma-zion zu hemmen, und so unbedeutend auch schon damals seinEinfluß zu werden anfing, doch jeden Schatten desselbennoch zur Rettung des päpstlichen Hofsystems anzuwenden.
Die Geschichte des Priesterhauses zu Wien, wovonschon oben Meldung geschah, beweiset hinlänglich, daßMigaxzi hauptsächlich den Grundsätzen der Regierung ent-gegen arbeitete. So vortrefflich die erste Anlage dieses In-stituts war, und so sehr er anfangs selbst die Aufklärung sei-ner jungen Kleriker beförderte; so sehr suchte er nach und nachdas Gute zu zerstören, das er aufbaute, und die Fortschritte,die in der Kultur des Geistes gemacht wurden, nicht nur zuhemmen, sondern eine längst vergessene Barbarey wieder ein-zuführen. Er bediente sich hierzu eben der Jesuiten, die ereinst selbst so nachdrücklich am Römischen Hofe über ihreUnfähigkeit, Kleriker zu bilden, anklagte, nnd verdrängtenach und nach die geschickten Aufseher des Hauses, um ihreStellen den Erjcsniten Dissent, Kautschitsch n. a. ein-zuräumen. Man hatte ehedem, um die Alumnen zu bilden,eine Menge Französischer Schriften aus den Schulen derJansenisten nach Wien kommen lassen. Nun entfernte manalles, was nach Jansenismus roch, und ließ den Klerikern
') Buch XIV. Kar. IV.