244 Sechzehntes Buch.
Venedig dasselbe in verschiedenen Hauptpunkten für u»,gültig erklärte? Wem ist es aber unbekannt, daß eine ein-zige wichtige Nullität eines Kriminaluttheilö hinreicht, umdas ganze Urtheil zu vernichten? Darf man sich hierüber ver-wundern, wenn endlich auch Maria Theresia dieses Vre-ve, ehe sie es unterschrieb, darin für unzulässig erklärte, wasdie Güter der Jesuiten betraf, und wenn es nirgends anders,als in Kraft geheimer Verwilligungen, welche Klemens XIV.in spätern, deni Breve ganz widersprechenden Briefen ertheilte,angenommen wurde? Doch alle diese Thatsachen sind beyweitem von der Art noch nicht, daß man sich darüber wun-dern dürfte« Was lange befremdlicher ist, und worüber manimmerbin erstaunen wird, ist, daß Klemens XIV-, wel-cher ganz gewiß kein Recht hatte, alle Güter der Jesuitender apostolischen Kammer zuzueignen, da er darüber weiterkeine andere Eigenschaft als die eines Lekonvms lind Admi-nistrators hakte, sich das Recht anmaßte, jene Güter welt-lichen Fürsten zuzusprechen. Wer begreift es aber nicht, daßer, gleichwie er diese Güter zum Nachtheil der Kirche nichtveräußern konnte, folglich um so weniger katholischen Für-sten, und noch minder unkatholischen und heidnischen Regen-ten, wie, zum Beyspiel, dem Kaiser von China das Rechtübertragen konnte, welches er selbst nicht hatte, diese Gutereinzuziehen, die Altäre zu berauben, die Kirche» in Zeug-häuser, Komödiensale, Marställe u. f. f. zu verwandeln?Welches Aergerniß! — Doch ich breche hier ab, um dasFeuer eines öffentlichen Unwillens über so viele vor unser»Augen vorgegangene Entheiligungen, von welchen unsereStädte unaufhörlich das empörendste Schauspiel darbieten,nicht zu entzünden. Ach! welches Herzcnleid für sie, wennsie auf ihre alten Wohnungen einen Blick werfen, und sehen,was man davon für einen Gebrauch gemacht hat!"
„Ich habe geglaubt, so viele Nullitäten ausführlich an-zeigen zu müsse», um irrende Gewissen aufzuklären, und dieWichtigkeit, welche Fanatismus und Parthepgcist vergebens