Oanrksriäes
2 l 7
bloß nöthig, dieselben wiederholt auszukochen, wozu in Hrn. Bachina n n'sVersuchen eine sechsmalige Auskerbung erforderlich war. Durch Digestionder Kanthariden mit Alkohol kannte Hr. Bachmann nicht das Principausziehen; um dieses auSder wäßrigen Abkochung auszuscheiden, hat mandiese bloß so weit zum Ertract abzurauchen, daß nicht die dem Alkohol sichbeimischende Feuchtigkeit einen Antheil der schwarzen Materie mit auflöse,und dann das- alkoholische Ertract mit Aether zu behandeln. Die andernStoffe wirken nur blasenziehend, so lange sie etwas von diesem Principbeigemischt enthalten.
Aus den durch kochendes Wasser erschöpften Kanthariden erhielt R o»biqnet durch Alkohol eine grünliche Tinctur, die der freiwilligen Verdun-stung überlassen ein grünes, flüssiges Oel zurückließ, das nicht blasenziehendwar, selbst wenn es auf die Lippen gebracht wurde.
Aus den zur Ausmittlung der freien Säure in den Kanthariden ange-stellten Versuchen schließt R ob iquet, daß es Essigsäure sey, und daß diegleichfalls in den Kanthariden enthaltene Phosphorsäure an Talkerde ge-bunden sich befinde. Da die Essigsäure aber von den zur Tödtung der In-letten angewandten Essigdämpfen herrühren konnte, so wurden lebende spa-nische Fliegen in einem Mörser zerquetscht, und dann mitWasser destillirt.Das Produtt war milchig, roch stark nach spanischen Fliegen und röthetedas Lackmusxapier, allein die Wirkung geschah nicht sehr schnell. Die Es-sigsäure war daher nur in geringer Menge vorbanden. Andere Chemikerhaben kein saures, Neu mann vielmehr ein ammoniakalisches Destillat:erhalten. Da aber die Abkochungen der frischen spanischen Fliegen keine s»unzweideutigen yeicven einer Säuerung gaben, wie die der käuflichen, sowurden, um diese Ungewißheit zu heben, frische spanische Fliegen in destil-lirtem Wasser gekocht, die Abkochung filtrirt und abgeraucht, wobei ein demAnscheine nach erdiger, viel reichlicherer und von dem verschiedener Boden-satz entstand, der sich bei gleicher Behandlung aus alten spanischen Fliegenerzeugt. Von der bis zur Syrupsdicke abgerauchten Abkochung abgesondert,und mit kaltem Wasser abgewaschen, zeigte sich dieser Bodensatz als ein kör-niges, gelbgrauliches Pulver, das mit ein wenig Wasser benetzt Lackmus-papier röthete, zwischen den Aähnen knirschte, und sich nach allen Versuchenganz wie Harnsäure mit ein wenig phosphorsaurer Talkerde und ein wenigthierischer Materie verbunden verhielt. Merkwürdig ist es, daß diese In»steten, die ausgezeichnet auf die Urinwege wirken, Harnsäure enthalten; inalten Kanthariden konnte sie aber nicht aufgefunden werden.
Nach Robiq uet's Untersuchungen enthalten die Kanthariden folgendeBestandtheile: i) ein blasenziehendes Princip; 2) ein grünes concretes OellWeichharz); z) ein gelbes flüssiges Oel; 4) eine eigenthümliche schwarzeSubstanz, die nur in Wasser und wäßrigem Weingeiste, aber nicht in Al-kohol auflöslich ist; 5) eine gelbe Substanz, die in Wasser und Alkoholgleich auflöslich ist (Osmazom?); s) Harnsäure; 7) Essigsäure; 8 ) phos-phorsaure Talkerde; g) parenchymatöses oder zelliges Gewebe.