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Osi'ioss
ihn dem Mercur, und die Lacedämonier waren der Meinung, daß durchBacchus ihnen der erste Feigenbaum gepflanzt worden ftp. Auch glaubteman in früheren Zeiten, daß dieser Baum ohne vorhergehende BlüthenFrüchte trage. Die Blumen über sind in dem fleischigen, birnförmigen Blu-mcnboden (der Feige), der nur Träger derselben ist, und den man gewöhn-lich für die Frucht hält, verborgen. Nur die in den etwas verdickten schie-fen Kelchen sitzenden steinfruchtartigen Akenen sind die Früchte.
Der Stamm deS Feigenbaums ist oft gekrümmt, hat eine graue, glatteRinde, und die Aeste sind mit rauhen, sehr kurzen Haaren bedeckt. Das Holzist schwammig und weiß, die Blätter sind gro^, gestielt, abwechselnd, dick,herzförmig, ausgeschweift-gezähnt, geädert, oben rauh und dunkelgrün, un-ten feinhaarig und weißlich, und tief in drei bis fünf stumpfe Lappen ge-theilt. Der gemeinschaftliche Fruchibvden, die Feige, ist birnförmig, flei-schig, hohl, unbehaart, und innerhalb überall mit Blüthen besetzt. Diemännlichen Blüthen, welche in geringer Anzahl vorhanden sind undzunächstan der Oeffnung in dem Blüthenboden sitzen, haben einen dreitheiligen auf-rechten Kelch, keine Blumenkrone, einen Griffel und zwei Narben. Dievon dem schiefen Kelche halb bedeckte, rundlich-längliche, durch den Griffelstachelspitzige, gelbliche Frucht stellt eine steinfruchtartige Akene dar.
Die Befruchtung war lange ein Geheimniß, den» man sah niemalsBlumen, sondern nur Früchte. Endlich überzeugte man sich, daß die Feigenicht die Frucht, sondern der allgemeine Fruchtboden ist. Dieser enthältentweder weibliche und männliche Blumen zugleich, oder nur von einem Ge-schlechte. Die Befruchtung geht daher in dem Fruchtboden selbst vor sich,worauf ein Zufluß von Säften nach diesem Theile erfolgt, so wie diesesbei der Bildung der Saamenhülle anderer Früchte der Fall ist. Der Frucht-boden schwillt beträchtlich an, der ekelhafte Geruch und zurückstoßende un-angenehme Geschmack der unreifen Feigen, welcher von dem bittern undscharfen milchartigeu Safte herrührt, der in allen zarten Theilen deS Fei-genbaums, den Rinden und Blättern, auch selbst in den Fruchtböden vorder Reife, enthalten ist, verschwindet allmälig, je näher die Zeit der Reiftheranrückt, durch eine Art verborgener Nahrung wird eine große Menge Zuk-ker entwickelt, und der vorher scharf und bitter schmeckende Fruchtboden ineine saftige, außerordentlich süße und angenehm schmeckende Substanz um-geändert.
Die bei uns gereiften Feigen sind nicht so schön und süß als die derwärmer» Gegenden, lassen sich auch nicht aufbewahren. Die Feigen ausdem südlichen Europa rc. erhalten wir in Kisten, Fässern und Körben ein-packt, wodurch sie in eine rundliche Form zusammengepreßt cr,cheineu.Sie sehen weißgelblich aus, und haben ein etwas schleimiges, zähes, sehrsüßes, mit vielen kleinen gelblichen Saamenksrncrn versehenes Fleisch. Manunterscheidet gewöhnlich dreierlei Sorten: i) die Smvrmschen, welche groß,gelb, rund und meistens trockner als die andern sind. 2) Die Genuesischen,die größer, gelber, aber länglich sind. 5) Die Marftiller, welche kleiner,