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1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
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Osstoroum 25 1

und medicinisch unbrauchbares Castoreum im Handel vorkommen kann, ohnedaß es durch Menschenhände verfälscht oder nachgekünstelt sey.

Noch führt Büchner einige Beispiele an von inländischem Castoreum,von an der Jsar gefangenen Bibern, welches in der Masse dicht wie einegeschmolzene Harzmasse mit einzelnen kleinen Höhlungen, leicht zerreiblich,röthlich und gelblichbraun, harzartig glänzend, und gröblich zerstoßen demKörnerlack täuschend ähnlich ist, übrigens aber einen sehr starken Bibergeil-geruch und Geschmack besitzt.

Das Aufbrausen mit Salzsäure, welches Brandes als ein charakte-ristisches Kennzeichen des ächten erklärte, kann nach Büchner nicht dafürgelten, da ein sonst sehr schlechtes Castoreum stark mit Salzsäure brausenkönne, ein anderes gutes dagegen nicht. Aus dem einen Beutel von Traut-wein brauste das Bibergeil stark, dasjenige aus dem andern größeren Beu-tel entwickelte nur wenige Ga'sbläschen. Die Güte des Castoreums könnenur nach der Auflöslichkeit in Alkohol, und nach der Stärke an Gerücheund Geschmacke beurtheilt werden.

Batka führte (Brandes's Archiv Xlk. S. r74.) mehrere Umständeund Versuche an zur Unterstützung seiner Behauptung, daß das meiste ka-nadische Bibergeil Kunstproduct sey, und hält besonders die mit einer gel-ben (orangenfarbigen) zähen oder harten glänzenden Masse angefüllten Beu-tel für verdächtig. Durch später (XX. 2. S-114.) von ihm selbst an Do-naubibern frisch ausgeschnittenen Beuteln angestellte Versuche hat er sichüberzeugt, daß eine Verfälschung allerdings möglich sey, indem diese Beu-tel in ihrem frischen Zustande sich gleich einer Blase ausdehnen lassen, inwelche nach herausgedrückter gelber weicher Masse eine andere weiche har-zige fremde Materie hineingebracht werden kann, wodurch sich das Gewichtund die Ausbeute mehr als verdoppeln lasse.

Auch Brandes (Archiv XVk. r. u. z. und Buchn.Nepert. XXllI;S-441.) erklärt sich dahin, daß bei weitem der größte Theil kanadischesBibergeil ächt sey, jedoch dem moskowitischen weit nachstehe, und gewißwird darin Jeder, der größere Quantitäten kanadisches Bibergeil durchmu-stert hat, beistimmen, ohne sich von der bei diesem Castoreum so häufig vor-kommenden großen und auffallenden Verschiedenheit, die bei dem moskowiti-schen nicht bemerkt wird, Rechenschaft ablegen zu können.

Wenn es demnach nun ferner nicht bestritten werden kann, daß es äch-tes kanadisches Bibergeil gebe, so ist es doch auch eben so unbestritten, daßselbst dieses ächte Bibergeil dem moskowitischen weit nachstehe, und diesemniemals untergeschoben werden dürfe, wozu der so sehr bedeutende Unter-schied des Preises für beide Sorten (20 Rthlr. und 216 Rthlr. für dasPfund) verleiten könnte. Der physische Unterschied beider Sorten ist aberauch von der Art, daß es Jedem, der beide Sorten öfter gesehen bat, leichtseyn wird, mit Bestimmtheit anzugeben, ob er kanadisches oder moskowiti-sches Bibergeil vor sich habe, da schon der kräftige, um vieles stärkere Ge-ruch und Geschmack beinahe allein hinreichend ist, das moskvwitische Casio-