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1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
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Chinarinden 291

suiten in Italien, und besonders der Cardinal Iuan deLug 0, ein Spa-nier von Geburt, so daß Rom für eine Zeitlang der allgemeine Stapelplatzfür das neue Fiebermittel wurde. Als nun im Jahr isig und 16Z<> derPater-Provincial der Jesuiten einen starken Vorrat!) Rinde aus Amerikamitbrachte, und gerade zu derselben Zeit e.in Conventikel des ganzen Ordensgehalten wurde, so fehlte es nicht an Gelegenheit, durch die in ihre Hei-mat!) zurückkehrenden Ordensbrüdör Cbinapulver über ganz Europa zu ver-breiten, welches nun die Namen ?ulvir Lseäinslis, Cardtnalspulver, ?ul-vi5 ss!u>ticu5, ?ulvir ?«lrum führte. Dock war in Rom auch der Namekilln» kebri's gebräuchlich.

Der durch diese weitere Verbreitung immer mehr und mehr begründeteRuf der China wurde im Jahr isZZ von Chifletius, erstem LeibarztedeS Erzherzogs von Oestreich, Leopold, Gouverneurs der Niederlande,welcher letztere von einem doppelten Quartanfleber befallen, und durch dieChina nur temporär geheilt worden war, mit Heftigkeit angegriffen, unddas von ihm über diesen Vorfall verfaßte Werk mit großem Beifall aufge-nommen. Als Vertheidiger der China traten zwarSebastian Badusund Roland Sturm auf, doch fehlte es auch nicht an neuen Gegnern,so daß der Gebrauch der China sich fast nur auf den Kirchenstaat beschränkte.Dieser beschränkte Gebrauch wurde aber auch durch die Seltenheit, durchden früheren starken Verbrauch herbeigeführt, und durch den damit im Zu-sammenhange stehenden hohen Preis der China begründet, und nach Sturmstand sie im Jahr isso so hoch im Preise, daß sie kaum mit Gold ausge-wogen werden konnte. In Rom selbst wurde das Pfund Rinde mit einemPfunde Silber bezahlt. Gegen Ende des Jahres 1658 wurde indessen schonöffentlich angezeigt, daß ein antwerpuer Kaufmann, I. Thompson, dieFieberrinde mitgebracht habe und solche verkaufe. Im Jahr I6yi findetsich schon zu Lyon der Zoll auf die China mit z Sons für das Pfund fest-gesetzt , woraus hervorgeht, daß dieser im Zolltarif aufgenommene Arti-kel nicht Mehr zu den Seltenheiten gehört habe.

Der Engländer RobertTalb o r, der Anfangs Lehrling bei einemApotheker war, nachher aber, jedoch wahrscheinlich nur kurze Zeit, zu Cam-bridge studirte, verhalf durch sein geheimes Fiebermittel, welches eigentlichaus nichts als aus China bestand, dieser zu erneuertem großen Ruhme, sichselbst aber zu einem sehr großen Vermögen. Talbor begann seine Fieber-curen zuerst an der Seeküste in Esser mit solchem Erfolge, daß er bald nachLondon berufen wurde, wo er sich ig/i förmlich niederließ. Der Ruf desTaloor'jchen Fiebermittels lenkte nun wieder die Aufmerksamkeit der Aerzteauf die durch Verfälschung mit andern Rinden in Mißcredit gerathene Chi-narinde, welches noch mehr der Fall war, als Talbor'n am französischenHofe die Heilung des fieberkranken Prinzen Conds und des Finanzmini-sters Colb er t glücklich gelang. Zweifelhaft ist die Angabe, daß um das.fahr 1879 der Dauphin, Sohn Ludwig's XIV., MnkalköU Fieber ge-

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