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1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
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Chinarinden 293

zur arziieilichen Anwendung als Chinarinden unbrauchbar befunden wordensind. Im südlichen Amerika sind jedoch nach und nach manche neue Artenaufgefunden morden, welche als sehr wirksam anerkannt sind.

Nach v. Humboldt's Versicherung kam von 1738 bis 1776 keineandere Fieberrinde in den Handel, als die des Corregiments von Lora undder zunächst gelegenen Gegenden. Man ahneke gar nicht, daß es in demnördlich vom Aequator befindlichen Theile Südamerikas auch Chinabänmegeben könne, bis ein glücklicher Zufall einen Mann, der lange Zeit wegender ökonomischen Verhältnisse des Chinaschälens in Lora gelebt hatte, auffeinem Rückwege nach Spanien über Popayan nach Santa Fe de Bogotaführte. Es war dies der Obermünzdirector DonMiguel de'Santi-stevan, der ohne alle botanische Kenntnisse nach dem bloßen Habitus dieChinabäume von Lora ab bis zu sz ° N. B. entdeckte.

Im Jahre 1772 entdeckte Don Jvzs Celestino Mutis die Chr,narinde um Santa Fe, welche Entdeckung er zwar noch ausdehnte, jedochnichtahnete, daß die Chinabäume bald biszum in ° N. B. würden aufge-funden werden. Die entdeckten neuen Arten wurden von ihm botanisch un-tersucht und beschrieben, nämlich L. Isncikoli», ooräikoli», oblongliolisund ovslikolis. Durch diese und anderein Neu-Granada entdecktenCincho-nen wurde nicht nur dem Mangel an China abgeholfen, sondern auch die Ver-schiffung nach Europa, welche früher allein aus den Häfen der Südsee umdas Cap Horn herum geschehen konnte, dadurch erleichtert, daß diese Chinaaus den Häfen von Carthagena und Santa Marta, also auf geradem We-ge, verschifft werden konnte.

Ruiz und Pavon, die Herausgeber der klar» ?eruvi»n», besuchtendie schönen Thäler von Tharma, Xaura und Huamalies, und bestimmten177g die botanischen Charaktere der nordperuanischen Species. Zu der imJahr 1792 von Ruiz herausgegebenen YuinoloZi» schrieben Ruiz undPavonim Jahr isoi einen Supplementband.

Seit dem Jahre i/8o wurde nun Europa auf allen Seiten mitFieberrinden von allen Sorten überströmt, unter welche theils Rindenvon westindischen Cinchonaarten, theils mit Brasilienholzdecoct gefärbteRinden von Bäumen, die gar nicht einmal zu dem Genus einclionLgehörten, gemengt worden.

In der neuern Zeit hat vorzüglich Alerander ».Humboldt zurErweiterung und Berichtigung unserer Kenntnisse über die Chinaarten bei-getragen, und die Ergebnisse seiner mit Bonpland in den Jahren 1799bis 1803 unternommenen Bereifung Südamerikas zum Theil in seinem gro-ßen Werke, zum Theil in dem Magazin der Gesellschaft naturforschenderfreunde zn Berlin 1897 niedergelegt. In der neuesten Zeit sind von A u g.Saint Hilaire auch in einigen Gegenden Brasiliens wahre Cinchonenaufgefunden worden, nämlich L. kerrnZinen, Vellvrii und btemisiaiis, welcheauf den Hochebenen von Minas Geraes, 30 M Fuß hoch, im gemäßigtenKluna, zwischen dem 18 . und 22 . Grade S. B. wachsen. Wo sie ersehet-