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1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
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Ooccioneüa

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tung. Müller will außereinembrennenerregenden destillirtenWasser, wel-ches wie das über Anemone pul-still» abgezogene roch, auch ein ätherischesOel erhalten haben. Der Aufguß wird durch schwefelsaures Eisen schwarz-grün gefärbt. Das Pulver wird in krebsartige Geschwüre eingestreut.

Ooeeionella. Cochenille.

Die getrockneten Weibchen von Locous Lsoli L-inn., einemzu den Halbdeckflüglern gehörigen Jnsect, welches im mexi-kanischen Reiche auf dem Cochenillcactus, Lsotus cocoinol-liter, sich aufhält.

Kleine, in der Quere runzlige, außen röthlich-schwärzliche, miteinem, weißen Reife besprengte, beim Reiben purpurfarbige Körner-"che», ein färbendes Princip enthaltend.

Die Cochenille wurde gegen das Jahr 1526 in Europa bekannt. Siewurde anfangs für ein Saamenkorn gehalten und führt auch noch wohl beiden Färbern diesen Namen. Sie ist aber, wie die Naturforscher schon früh-zeitig entdeckten, ein zur Ordnung der Halbdeckflügler mit gleichen Flügeln,und zur Familie der Schildläuse gehöriges Jnsect. Es hat nur ein Gelenkan den Füßen und einen einzigen Haken an deren Wurzel. Das Männchenist schmal und roth, hat keinen Stachel und zwei Flügel, welche sich wage-recht über den Körper zusammenlegen; der Leib endigt sich in zwei Borsten.Das Weibchen ist ungeflügelt, länglich, unten und oben etwas flach, undhat einen Säugrüssel; die Fühlhörner sind fadenförmig oder borstenförmigund haben meistens 11 Gelenke. Die Farbe ist bald blaß, bald brannrvth,wird aber bei dem trächtigen Weibchen mit einer feinen Wolle bedeckt.

Die Cochenille hält sich eigentlich auf mehreren Bäumen in den Wäl-dern von Meriko auf, erlangt aber daselbst bei weitem nicht die Güte, zuwelcher sie die Einwohner durch Cultur zu bringen wissen. Zu diesem Zweckelegen sie um ihre Wohnungen Pflanzungen von Cactus- oder Fackeldistelar-ten an, welche Pflanzen sich am besten zur Nahrung des Jnfectes zu eignenscheinen, besonders die gemeine Fackeldistel oder der Cochenillcactus, welcherauch in Europa (und selbst im südlichsten Deutschland) wildwachsend, beiuns aber in Gewächshäusern, unter dem Namen: indianische Feige, ge-funden wird.

Die Einwohner holen die Weibchen aus den Wäldern, ehe diese ihreEier legen, und setzen diese, oder die bei der letzten Sammlung zurückge-lassenen, und den Winter über auf den saftigen Blättern des Cactus in ih-ren Häusern erhaltenen, zu 10 oder 12 bei einander in kleine, aus den Fa-sern der Cocosnuß oder aus Baummoos gemachte Nesterchen, welche sie aufden Stacheln der Cactuspflanzen befestigen. Das Jnsect legt dabei seineEier und stirbt;, sein Körper trocknet aus, und verwandelt sich in eine harteDulk's xreuß. Pharmak. I. 25