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1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
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354
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(üocoionella

Schale, «reiche die Eier umgiebt, und gegen äußere Zufälle schützt. Nach-dem die Eier auf diese Weise gleichsam ausgebrütet worden, schlüpfen dieJungen aus, bedecken zu Tausenden die Pflanze, hängen sich darauf fest,und machen alle ihre Verwandlungen durch. Zuletzt bleiben die Weibchenunbeweglich sitzen, die Männchen bekommen Flügel, nähern sich den Weib-chen , befruchten sie und sterben bald darauf. Jetzt werden die Weibchen,welche allein auf der Pflanze zurückgeblieben sind, eingesammelt, indem mansie! mit einem Pinsel auf ein untergelegtes Luch abkehrt; man läßt abereine gewisse Anzahl auf der Pflanze zurück, damit sie eine zweite Brüt unddiese eine dritte erzeuge, welche noch in demselben Jahre eingesammelt ««er-den, Die Cochenille von der ersten Ernte ist die beste, und die um derletzten die schlechteste. Diese durch Cultur erhaltene Cochenille hat Vorzügevor der wilden in den Wäldern gesammelten Cochenille, «reiche kleiner istund eine viel schwächere, nicht so feste Farbe giebt. Die Akklimatisationder Cochenille ist neuerlich in Spanien und namentlich in Malaga vollkom-men gelungen, wo die Cactus in so großer Menge wild wachsen, wie inAmerika > und ganze Cactuspflanzungen angelegt werden.

Es finden sich im Handel zwei Sortsn von cultivirter Cochenille, Im-port man die eine mit dem Namen der schwarzen, die andere mit dem dergrauen oder der gefurchten Cochenille belegt. Die zwischen beiden befindli-chen Unterschiede leitet man von den verschiedenen Methoden ab, welchen»zur Tödtung des Jnsects nach seiner Einsammlung anwendet. Die ei«derselben soll darin bestehen, daß die gesammelte Cochenille in ein Sackst»gebunden, dann in siedendes Wasser getaucht und hierauf getrocknet wird.Nach der andern wird das Jnsect auf Horden ausgebreitet, und durch An-wendung von Ofenwarme, oder auch auf geheizten eisernen Platten ausge-tröcknet. Das erstere Verfahren liefert die schwarze oder rothbrauue, daszweite die aschgraue oder gefleckte Cochenille. Der silberartige Schein, wel-chen die letztere besitzt, rührt von einer weißlichen Materie her, welchemden Awischenräumen der Ringe oder der Querrunzeln des Thieres sich be-findet. Die Schwierigkeit, diese Materie von den Thieren abzusondern,verbunden mit der noch größeren, sich eine graue Cochenille, bevor sie ir-gend eine Veränderung erlitten hat, zu verschaffen, hindern die Erkenntnißderselben; vielleicht ist sie eiweißartiger Natur.

Die gefleckte Cochenille wird gewöhnlich der schwarzen vorgezogen, ob-gleich Versuche gelehrt haben, daß die letztere eben so viel Farbestvff liefert,als die erstere. Um also der schwarzen Cochenille das beliebte Ansehen zugeben, soll häufig der venstianische Talk benutzt werden, welche SubMLurch ihr perlmutterartig glänzendes Ansehen sehr gut zu diesem Betrügepaßt. Um nämlich der schwarzen Cochenille das silberartige Ansetzn zu er-theilen, wird sie Z648 Stunden in den Keller gesetzt; die geringe Feuch-tigkeit, welche die Substanz während dieser Zeit anzieht, ist hinreichend,um zu bewirken, daß der feingepulverte venetianische Talk beim Durchschüt-teln in einem Sacke der Cochenille das silberartige Ansetzn verschafft, wo-