Ooeoionella
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nächst diese getrocknet und der überflüssige Talk durch ein Sieb abge-sondert wird. Früher soll man sich bisweilen des Gppses und Bleiweißesbedient haben, welche schädlichen Beimischungen aber durch ein mattesAniehn sich zu erkennen geben.
So wie die Cochenille im Handel vorkommt, hat sie kaum nocheinige Aehnlichkeit mit einem Jnsect; wenn man sie aber in Wassertaucht, so werden die Füße und Ringe des Jnsects sichtbar. Der Ge-schmack ist scharf, bitterlich und zusammenziehend; durchs Alter vergehtihre Farbe nicht, denn man hat gefunden, daß Cochenille, die >30 Jahralt war, noch eben so gut als frische zum Färbeu gebraucht werden konnte.Von dieser Waare kommen jährlich wenigstens 800,o»o Pfund nach Eu-ropa, und zu jedem Pfunde gehören wenigstens 70,000 Jnsecten.
Von dieser Cochenille ist die deutsche oder polnische verschieden (6oe-eivnellL polomcL). Man findet dieselbe in Preußen, Polen und ganzDeutschland, in Gestalt purpurrother und violettröthlicher Bläschenvon der Größe des Hanfsaamens, an den Wurzeln verschiedener Kräu-ter, und besonders des perennirenden Knauels (gclersntkiuL perennlr),woran sie sich vornehmlich um Johannis zeigen. Es ist ein dem vori-gen sehr ähnliches Jnsect-
Die Cochenille ist von den Herren P e l l e t i e r und C a v e n t 0 u ana-lystrt worden. Ihr Verfahren ist folgendes: Die Cochenille wird mit ko-chendem Schwefeläther behandelt, bis alle auflöslichen Theile ausgezogensind. Der Aether nimmt hierbei einen pomeranzengelbem riechenden, fettenStoff auf, welcher aus etwas Carminium, Talg - und Oelstoff, dann auseinem sauren, riechenden Stoffe besteht. Wird die mit Aether ausgezogeneCochenille mit kochendem absoluten Weingeisre behandelt, so erhält man einegelblichrothe Tinctur. Bei dem Erkalten und durch freiwilliges Verdunstenläßt die Flüssigkeit einen körnigen, gewissermaßen krystallinischen Stoff voneiner sehr schönen rothen Farbe fallen, welcher sich in Wasser vollständig,in kaltem rectificirten Weingeiste «her nur unvollkommen auflöst. Durchden letzteren wird ein bräunlicher thierischer Stoff ausgeschieden. Der vondem Alkohol ausgelöste Antheil des rothen Stoffes ist noch nicht reines Car-minium ; wenn man nämlich die Flüssigkeit mit gleichen Theilen Schwefel-äther vermischt, so fällt der reine Carmin zu Boden, und der Aether hältsodann noch etwas Weniges von dem fetten Stoffe, weicher schon von An-fange durch denselben ausgezogen wurde. Der Rückstand von den Abkochun-gen mit Aether und Weingeist ist noch sehr gefärbt, weil das Carminiumdurch den thierischen in Alkohol unauflöslichen Stoff geschützt ist. Mankann daher auch wäßriges Cochenillendecoct zuerst durch salpetersaures Sil-ber fällen, wo thierische Materie mit etwas Farbestoff gefällt wird, danndurch essigsaures Blei, wo das reine Carminium mit dem Bleioryd nieder-fällt, und von diesem durch Hydrothionsäure abgeschieden werden kann. DerRückstand von den Abkochungen der Cochenille, welche allen Farbestoff auf-genommen haben, ist eine durchscheinende gallertartige Substanz, welche
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