iVlelissa 681
rexusl. 6!. XIV. Orst. 1, Oicl^nsmis O^mnorpsrmia,
Orü. nslursl. Osbistse.
Diese Pflanze wächst in den südlichen Ländern Europas, vorzüglichauf den italienischen Alpen und in der Schweiz, ferner in Frankreich,auch in Deutschland, in Oestreich, Schlesien rc. Bei uns wird sie inGärten gezogen, läßt sich aber auch auf Feldern anbauen. Dieses mußauf mergelartigem und steinigem, beschattetem und feuchtem Boden ge-schehen, denn wenn sie gleich auf gut gedüngtem'Gartenboden freudigzu wachsen scheint, und zahlreichere, breitere Blätter bekommt, so ver-liert sie doch sehr an Geruch und Wirksamkeit.
Die runden, schiefen Wurzeln sind hart, dünn und zaserig, dieStengel aufrecht, viereckig, etwas haarig, sehr ästig und L —3 Fußhoch. Die Zweige sind kurz und kommen aus den Blactwinkeln. Diegegenüberstehenden Blätter sind eirund, etwas spitz, sägeartig; die un-tern langgestielt, am Grunde fast herzförmig, oben entfernt haarig, un-ten kahl; die obern knrzgestielt mit fast kegelförmiger Basis, oben fastweichhaarig, unten an den Adern haarig. Die Blumen in den Blatt-winkeln in ästigen, 6 —Mennigen Büscheln, die durch die gegenüber-stehenden Blätter das Ansetzn eines Quirls erhalten. Kelch rührig, ge-streift, zweilippig; die Oberlippe zurückgekrümmt, zzahnig; Unterlippeszähnig, mit langen spitzen Zähnen. Blumenkrone weiß, selten blaßröthlich, einblättrig und rachenförmig; der Schlund etwas aufspringendmit zweispaltiger gewölbter Oberlippe, und flacher, abstehender, 3lapxi-ger Unterlippe. Im Grunde des vergrößerten Kelches 4 trockne, aufder äußern Seite gewölbte Nnßchen (sogenannte nackte Saamen).
Die Melisse blüht im Juli und August. Sie kann 2 , auch 3maljährlich geschnitten werden. Dieses geschieht vor der Blüthe bei trocknerWitterung. Der aromatische, sehr angenehme Geruch des Krautes, wel-cher vor der Blüthe viel stärker als zu jeder andern Zeit ist, hat vielAehnlichkeit mit dem der Citrone. Beim Trocknen des Krautes ver-mindert sich der Geruch beträchtlich. Der Geschmack ist balsamisch undetwas scharf.
Bei der Destillation mit Wasser giebt die Melisse eine sehr geringeMenge ätherisches Oel. Der wäßrige Aufguß ist dem Theeaufgnsseähnlich, hat den Geruch der Melisse und einen gelind bitterlichen herbenGeschmack. Die hellbraune Farbe des verdünnten Aufgusses wird durchdie Eisenauflösungen ins Dunkelolivengrüne verändert. Die geistigeTinttur ist von dem vielen grünen Harze der Blätter dunkelgrün, hatden Geruch der Melisse und einen scharfen balsamischen Geschmack.
Die streu ertractiveu Bestandtheile der Melisse bestehen demnach ineisengrünendem Gerbestoffe, bitterm Ertractivstoffe, Gummi und Harz.
Die Melisse gehörr zu den gelind reizenden Mitteln, und wirdsowohl im Thee oder Aufgüsse, als im destillirten Wasser verordnet.