Buch 
1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
Entstehung
Seite
737
JPEG-Download
 

0ÜVÄ6

7^7

fleischigen Saamenhülle, als in ihrem Kerne ein fettes Oel enthalten, woge-gen gewöhnlich die Steinfrüchte ein solches nur in dem Kerne enthalten.

Um das Oel aus den Oliven durch Auspressen zu erhalten, werdendiese sogleich nach dem Einsammeln in die Mühle gebracht, und das aufdiese Weise gewonnene Oel ist geruchlos, mild, gelblich oder grünlich, undhat einen reinen, angenehmen, süßlichen Geschmack; es heißt Jungfernöl,und eins der vorzüglichsten ist das von Air in der Provence. In den mei-sten Fällen werden aber die Oliven in Haufen aufgeschichtet, und einigeLage hindurch der Währung überlassen, bevor man das Oel auspreßt. DieGährung macht das Fleisch der Frucht weich, wodurch eine größere MengeOel gewonnen wird. Dieses Oel ist gelb, noch mild und wohlschmeckend,die kürzere oder längere Zeit aber, während welcher man die Oliven derGährung überlassen hat, verursacht einen großen Unterschied hinsichtlich derGüte desselben; je kürzer die Gährung gedauert hat, desto besser ist dasOel Ein noch geringeres Oel erhält man durch ein zweites Auspressen dererwärmten Oelkuchen, oder auch dadurch, daß gleich schlechtere Oliven ge-nommen werden. Dieses letztere Oel ist nur zur Seifensiederei brauchbar.Won allen vfficinellen fetten Oelen ist das Olivenöl das specifisch leichteste,nämlich —n,gi Z. Im Sommer ist es immer flüssig, bei einer Tempe-ratur von etwas unter o° wird es zum Theil fest, und bildet alsdann einekörnige Masse, welche desto fester wird, je stärker die Kälte ist; schon bei-tz4° und -l- 3° R. fängt es an, theilweise zu gerinnen, indem sich weißeFlocken von Stearin ausscheiden; bei -i- r° R. geht es in einen butterar-tigen Zustand über. Durchs Auspressen der in der Kälte erstarrten Massekann es (nach BracvnnoOin 72 Oel- und 28 Talgstoff geschieden werden.Nach Gay-L ussa c und The'nard besteht es aus Kohlenstoff 77,21;Wasserstoff 13,3g und Sauerstoff 9,43. Durch ein Gemisch von Schwefel-«nd Salpetersäure wird es entzündet. Mit den Alkalien bildet es Seifen,mit dem Bleioryd ein festes Pflaster. In Alkohol löst es sich sehr wenig,in Aether aber sehr leicht auf. An der Lust trocknet es nicht ein, undbrennt mit Heller Flamme ohne Rauch und üblen Geruch, und zwar indochtlosen Lampen schneller als alle übrigen deutschen Oele.

Das Baumöl wird mit andern fetten Oelen, als Mohn-, Nuß- oderBuchöl verfälscht, das schlechteste mit Rüböl oder Leinöl. Ein solches Oelhat ein größeres sxec. Gewicht, gerinnt nicht sobald in der Kälte, odererfodert doch einen höheren Grad der Kälte zur Gerinnung, bekommt durchstarkes Schütteln viele Luftblasen, hat einen mehr oder weniger verändertenGeruch und Geschmack und brennt nicht ohne Ranch, und nicht mit einerso reinen und hellen Flamme als das ächte. Als chemisches Reagens aufsolche Beimischungen hatBvudet die concentrirte Lösung des sauren sal-petersaurenQuecksilberorpduls (aus 8 Th. Quecksilber und 7z Th. Salpe-tersäure von 1,356 spec. Gew. bereitet) empfohlen. Das Olivenöl wirdnämlich durch dieses Reagens weit stärker verdickt,, als die andern fettenOele. Schüttelt man ir Theile des zu prüfenden Oeles mit einem TheileDulk's preuß. Pharmak. l. 47