Buch 
1 (1833) Einfache Mittel / übersetzt und erläutert von Friedr. Phil. Dulk
Entstehung
Seite
904
JPEG-Download
 

Leval« eoritutum

90'/

und der Erde aus dem gesunden Korne. Mutterkorn kann, wie ausWilldenow's Versuchen (Hecker's Jahrb. d. Staatsarzneikunde. i.S. 24u.) hervorgeht, gewissermaßen künstlich hervorgebracht werden, da-durch , daß man bei feuchter und warmer Lust in feuchten und settmBoden gemeines Korn bringt, welches nachher anhaltend begossen werdenmuß. Diese äußern Bedingungen verändern nach Robert den Lebeus-proceß der Pflanze so sehr, daß diese ihr letztes Geschäft, einen gesundenSaamen hervorzubringen, nicht vollführen kann. (Vergleiche noch Le-veille in Geiger's Magazin. August 1827. S. 11a.)

Das Mutterkorn ist äußerlich violett, inwendig weiß, cylindrisch,an beiden Enden sanft zugespitzt, halbmondförmig gebogen, der Längenach mit Furchen versehen, 6 — 8 Linien lang, und 2 — 5 Linien imgrößten Durchmesser haltend. Der Geschmack ist anfangs unmerklich,hintennach aber scharf und unangenehm.

Nach einer chemischen Untersuchung des Mutterkorns vonVauque-lin (Buchn. Repert. lll. S. 48.ff.) enthalt dasselbe: 1) einen blaßgelbenFarbestoff, in Alkohol auflöslich und von einem Gerüche wie Fischöl; L)eine weiße ölige Substanz; s) einen violetten Farbestoff, unauflöslich inAlkohol, und leicht anwendbar auf Wolle und Seide; 4) eine Säure,wahrscheinlich Phosphorsäure; 5) eine thierisch-vegetabilische Substanz ingroßer Menge, die sehr zur Faulniß geneigt, aber kein Kleber ist, unddurch Destillation viel dickes Oel und Ammoniak giebt. Das Amplumverwandelt sich bei dieser krankhaften Mißbildung des Roggenkorns in einegelatinöse Masse, und der Kleber erleidet eine Veränderung. (Vergleichehiermit die chemischen Versuche von Dr. Pettenkofer ebend. S. 85.)

Unter vielen von Or. Win ekler (a. a. O.) angestellten Versuchenwurde auch das Mutterkorn mit Wasser destillirt, und ein, bis auf einigehöchst fein zertheilte weißliche Flocken, wasserhelles Destillat erhalten, welcheseinen höchst widerlichen stark betäubenden Geruch, der sehr schnell Kopfwehverursachte, und einen faden, ebenfalls widerlichen, nicht sehr starken Ge-schmack hatte. ES enthielt Ammoniak. Nach 12 Stunden der gewöhnlichenTemperatur der Luft ausgesetzt, verhielt es sich wie reines Wasser. Dereigentlich schädliche Bestandtheil des Mutterkorns ist nicht ausgemittelt.

Das Mutterkorn äußert sehr verderbliche Wirkungen, so daß der Ge-nuß desselben den Tod nach sich ziehen kann. Dessenungeachtet hat mandasselbe in den Arzneischatz eingeführt, und es zür Beförderung der Wehenund Beschleunigung der Geburt in Pulverform zu 5 — 10 Gran, oderauch im Aufgusse (eine halbe Drachme zu 5 Unzen), nach Andern in derAbkochung gegeben, jedoch nicht eher, als bis der Muttermund erweitertist. Nach Charles Hall (Froriep's Notizen. October 1826. Nr. Zrr.S. 217.) wirkt das Mutterkorn giftig und zerstört alle Funktionen desLebens dadurch, daß es in die Blutmasse übertritt, und die Circulationretardirt, worauf auch seine Wirkungen auf den Uterus und den Fötusberuhen, indem nämlich das Blut unfähig ivird, den Uterus und den