278
Allgemeine Naturgeschichte, iu. Buch.
betragen / während das siderische Jahr eine der unveränderlichenGrößen des Planetensystems ist.— Beim Monde fallen bekanntlichAxendrehung und Umlauf um die Erde zusammen/ d. h. währender einen Umlauf um die Erde macht/ hat er alle Punkte seinerOberfläche der Sonne zugekehrt/ also stch einmal um seine Axebewegt. Die S. 2äa erwähnte Libration oder Schwankungdes Mondes ist keine wirkliche/ sondern nur eine scheinbare. DieBewegung des Mondes ist nämlich eine ungleichförmige/ er gehtin Folge der Störungen mit kleinerer oder größerer Geschwin-digkeit fort/ und zeigt daher uns/ die wir im Mittelpunkte seinerBahn stehen/ bald an seiner östlichen/ bald an seiner westlichenSeite kleine Theile seiner abgewendeten Seite. Da die Axe desMondes auf'seine Bahnebcne nicht senkrecht steht/ sondern umbeinahe 83» gegen ste geneigt ist/ so erblicken wir/ wenn er imhöchsten Punkte der Bahn steht/ vom nördlichen Mondrande etwasmehr/ vom südlichen etwas weniger/ als im umgekehrten Falle.—Die Kometen scheinen wegen ihren so äußerst dünnen Massenaußer den Störungen/ welche ste durch die Planeten erleiden/ auchnoch eine Rctardation in ihrer Bewegung durch den Acther zuerfahren/ wodurch die große Axe ihrer Bahncllipse kleiner/ ihreUmlaufszeit demnach kürzer werden und ein endlicher Einsturz indie Sonne erfolgen müßte/ wie Enke namentlich an dem nach ihmgenannten Kometen nachgewiesen hat. — Unter allen Aenderungenund Störungen/ welche in den Bewegungen der zahlreichen Körperunseres Systems durch ihre gegenseitige Anziehung hervorgebrachtwerden/ nimmt man doch s unter allen Umständen unveränderlicheVerhältnisse an: nämlich die Unverändcrlichkeit der Rota-tionSaxe der Erde/ der Länge des TageS/ und der mitt-lern Entfernung der Erde und aller Planeten von derSonne.
Aus dem Gravitationsgesetzeleitet man auch die Kugelgestaltder Himmelskörper ab. Einzelne vorherrsch ende Punkte hättendie sie umgebende/ wahrscheinlich flüssige Masse angezogen und siein Schichten um sich abgelagert/ deren Dichtigkeit gegen die Mitteimmer größer wurde und welche Kugelform annahmen. Die Ro-tation sei durch Anziehung der benachbarten Wcltkörper entstanden;ihr zu Folge mußte unter dem Aequator Centrifugalkraft/ hiemileine Erhebung der Masse daselbst; unter den Polen Ueberwiege»der Schwerkraft/ hiemit Abplattung eintreten. EineLanz gleichdichte Masse wird durch die Rotation eine sphäroidische Gestalt/d. h. eine solche erhalten/ welche durch Umdrehung einer Ellipseum ihre kleine Axe entstanden ist. Unsere Erde müßte nach dieserVoraussetzung eine Abplattung von etwa </§«, erhalten haben; dasie aber um /z«, abgeplattet ist/ so kann sie nicht gleich dicht sein.