332 Allgemeine Naturgeschichte, iv. Buch.
erhalten seine Mischung gegen die Einwirkung der Sonnen-- gluth, und vermehren zugleich sein spezifisches Gewicht.
Das Entstehen und Dasein des Meeres ist räthselhafr,und stammt aus uralten Zeiten des Erdelebens. Wahrscheinlicherzeugte es sich aus dem früher in der Atmosphäre vorhandenenSauerstoff und Wasserstoff, und schlug sich als tropfbareMasse nieder, als die Erkaltung der Erde bis auf einengewissen Grad fortgeschritten war. In ihm waren und sinddie mannigfachsten Stoffe aufgelöst, welche sich als Nieder-schlage absetzen; aus ihm giengcn die ersten Lebendigen hervor.Auch jetzt birgt es in seinem Schooße eine unübersehbare Füllesekundärer Organismen, und vielfache wunderbare Formenderselben mögen wohl in seinen unergründeten und unergründ-lichen Tiefen Hausen, welche nie ein Menschenauge sehen wird.
Im Menschen erweckt das Meer den Gedanken des Un-ermeßlichen. Betrachtet man vom Ufer den endlos sich aus-breitenden Ocean, so bricht/ wie das Gestade am Meer, diealte Gedankenreihe ab, und eine Welt neuer Ahnungen schließtsich auf. Jenseits des trennenden Meeres liegt aber immerLand, und die Fluthen von jenem, welche in der Kindheitmenschlicher Kultur die Völker der Erde schieden, tragen jetztunendlich mehr zu ihrem Verkehre bei, als selbst das Land.So beweist auch das Meer, daß im Menschen lauter Kräfteliegen, welche denen der Natur entsprechen. Je gewaltiger,je furchtbarer die- letztem sind, desto herrlicher und fruchtbarerwird auch der Sieg über sie.
Alle Gewässer des Festlandes verdanken dem Meereihren Fortbestand, und manche der größern stehenden Wasser-massen auch ihr Dasein. Die untek dem Einfluß derWärme erfol-gende Verdunstung des Oceans bildet vorzüglich die Wolken,deren Dunst sich an den höchsten und kältesten Theilen desLandes in tropfbarer Form niederschlägt, oder in Hydrome-teoren zu Boden fällt. Hiedurch werden die Quellen erzeugt,welche die Seen speisen, und die Flüsse bilden. So wie dasder Tiefe zustrebende, allenthalben den Boden durchdringendeGewässer auf eine feste Sohle stößt, welche seinem weiter»Eindringen ein Hinderniß entgegensetzt, so bricht es seitwärts