24Ü Siebentes Buch. Von d. Organismen d. Plastizität rc.
Metamorphosen betrachtet. — Der Blumenbildung liege ein ganzanderes Gesetz zu Grunde, als die Metamorphosen der individuellenAnaphyla; die erstere werde von innen aus durch die Zwecke derGeneration regiert; letztere seien von Außenverhältnissen abhängig.Die Blumenbildung sei nicht morphologisch, sondern nur physiolo-gisch zu begreifen; die Frage sei daher unnütz, ob z. B. die Antherendurch Einrollung oder Spaltung der Blumenblattränder entstandenseien? ES käme hier weder auf morphologisches Einrollen nochSpalten an, sondern auf die innere Auflösung der Zellsubstanz desBlumenblatts zu Pollen; in der Antherenbildung finde ein Auf-brechen von innen heraus, ein Dehisziren statt; in der Fruchtknoten-und Eibildung fänden sich analoge Verhältnisse. — Die Blumen-theile seien wirklich innerlich verschiedene Organe, nicht bloßeMetamorphosen; Wurzel, Stengel, Blätter, Ranken, Dornen aberseien keine wahren Organe, sondern bloße Wiederholungen der Ana-phyta. — Die innern Organe seien nicht etwa selbst Individuen(z. B. jede Zelle). Der individuelle Pflanzenkeim könne nie auseinem einzigen innern Organe der Pflanze sich bilden, so wenig alsein thierischer Keim aus der Leber oder Lunge hcrvorwachsen kann;sondern zur Bildung der Pflanzenkeime (oder vielmehr der Sprossenund Knospen) gehöre die Einheit aller innern Organe der Pflanze;und nur solche Theile, welche die Gesammtheit der innern Organeenthalten, die Anaphyta, können Sprossen und Knospen treiben. —Die neue Zellentheorie erkläre die wahre Natur und Organisationder verschiedenen Organe durchaus nicht; sei eine rein mechanischeHypothese, aus der man den Organismus aus Zellen, wie ein Hau-aus Mauersteinen aufbauen wolle. Wie seien die LebenSzustände,wo noch keine Zellen gebildet find? Die Natur könne denselbenWeg, den fie bei Bildung der Zellen einschlägt, auch direkt bei derBildung aller übrigen Elemcntarformcn des Organismus einschlagenund brauche nicht erst Zellen zu bauen, um diese dann wieder inandere Organe umzubilden. In der That hätten alle differentenOrgane den Keim zu ihrer eigenthümlichen verschiedenartigen Ent-wicklung von Ursprung an in sich. Die Zellen seien durchaus keineUrbildungen, weder im Pflanzen- noch im Thierreich, sondern setzenden Akt der Kügelchcn- und Fadenbildung voraus, welche Elementar-formen dann erst in Membranen und Blasen übergehen, die sich zuRöhren und Zellen gestalten. Die thierischen und vegetabilischenOrgane hätten also eine viel größere Mannigfaltigkeit vonElementarformen in sich als bloße Zellen. Alle diese Organe würdenvon innen heraus durch ihre ursprünglichen differenten Elementar-formen entwickelt und nicht von Außen aus Zellen zusammen-gesetzt. Nicht aus fertigen Zellen oder fertigen Blättern könneman die Zusammensetzung der Pflanzcnorganisation erklären. —