2E8 Siebentes Buch. Von d.Lrganismen d. Plastizität <e.
kund. — Einjährige Pflanzen halten demnach ihren Winterschlafals Embryonen, noch eingehüllt in ihre Samen oder Eihäute. IhrKeimen im Frühling verräth ihr Erwachen. Gewisse Samen be-halten / wenn man sie nur an kühlen und trockenen Orten aufbe-wahrt- ihre Keimkraft mehrere Jahre lang. Doch sinkt und hebtsich bei ihnen diese Kraft in regelmäßiger Schwingung mit denJahreszeiten. Im 2. und 3. Frühling nach der Reife keimen sieschwieriger/ als im ersten/ doch kräftiger / als im nächst verflossenenWinter. Daher eS kommen mag/ was jeder Gärtner weiß/ daßSamen/ von der südlichen Halbkugel zu uns gebracht/ in unsermFrühling/ der ihrem Herbst entspricht, meist so schwer zum Keimenzu bringen sind. Der pflanzliche Embryo hat also, wie der thierische,sein Zeitmaß in sich selbst. Unser Wintergetreide hält seinen Winter-schlaf nicht als Embryo unter dem Schutz der Eihäute, sondern alsjunge Pflänzchen. Knospen - und Embryonenzustand sind sich mehrverwandt, und letzterer ist in beiden organischen Reichen als Typusdes Schlafs zu betrachten, welcher letztere eine Annäherung an denEmbryonenzustand ist. — Die Stauden verjüngen sich von Jahrzu Jahr; nachdem sie blühten, Leisten, welkten, finden wir sie plötz-lich als Knospe wieder. Diese ruht, in den Schooß der Erde ver-senkt, bis der Frühling sie weckt. Solche in sich selbst zurückgegan-gene, zu neuen Werken sich rüstende Thätigkeit nennen wir Schlaf.— Den Verholzungsprozeß betrachtet E. Meyer, wie alle Erstar-rung, als Vorboten des Todes. Die Ursache des Blattfalls hat,nach seiner Ansicht, erst Vrolik begriffen. Er bemerkte, daß Bäume,in vollem Saft gehauen, ihre Blätter eben so wenig abwerfen, alsStauden und Kräuter, deren-ganzer Stengel zugleich mit den Blät-tern hinwelkt, und schloß, nicht das todte Blatt reiße sich los vonseinem Zweige, sondern der lebendige Zweig selbst stoße seine Blätterab, nachdem sie aufgehört, für ihn zu athmen und ihren sonstigenVerrichtungen vorzustehen. Vrolik erklärte dieses aus der vir-, proxri»der Blätter, welche eben früher ablause, als die vir» des Stammes.Meyer erklärt Letzteres für ein höchst seichtes Räsonnemcnt. Nach ihmhat der Baumstamm nur deßhalb längere Dauer, weil er verholzt,was die Blätter nicht thun. (Man kann wieder gegen Meyer fragen,warum verbolzt der Stamm und die Blätter nicht? So kommt mandoch wieder auf die vir» xropri-, des Stammes.) Der anfangs auchnur krautartige Baumstamm braucht nicht ein, sondern viele Jahre,um seine Rechnung mit dem Leben in der Frucht abzuschließen. —Die Pulse des LebenSüromeS sind Schlaf und Wachen. Mit jedemSommerabend strebt die schon entfaltete Knospe sich wieder zu ver-jüngen, sich zu schließen. Mit jedem Herbst versinkt die ganzePflanze noch tiefer in sich selbst. — S. 297, Z. 8 v- u. schalte ein:
Reich an immer grünen Bäumen sind die tropischen Wälder;