Band 
IV. oder Supplementband.
Seite
272
JPEG-Download
 

272 Siebentes Buch, Von d. Organismen d. Plastizität rc.

ungünstigsten Witterung und sehr niedriger Temperatur steh ineinem gewissen Grade entwickeln. ES scheint, daß die Perio-dizitat, die hierin zum Vorschein kommt, nicht allein imVerhältniß der Erde zur Sonne liegt, sondern auch den Bäumenund Gesträuchen selbst eingeprägt ist, — (vielleicht desto tiefer,je öfter ein Baum schon Blätter getrieben und geblüht hat,wodurch die Periodizität in ihm habituell wird), ungefährso, wie ein Mensch, nachdem er eine bestimmte, hinreichendeZeit geschlafen hat, erwachen würde, wenn auch die Bedin-gungen des Erwachens, Licht und Schall, nicht vorhandenwären. Mögen im Februar auch noch so warme und heitereTage eintreten, so wird die Entwicklung der Pflanzenwelt niejene Schritte vorwärts thun, wie im April, auch bei rauherWitterung und wenn auch »och keine warmen Tage voraus-gegangen sind. Als Anmerkung füge bei: *) Man beobachtet nachden Lokalitäten gewisse Verschiedenheiten im Blühen bei denselbenPflanzengattungen, so daß Gewächse, die meist zuerst Blüthen, dannBlätter treiben, in manchen Gegenden beide zugleich entwickeln.Dieß stet bereits Göthe'n auf. Er schrieb (1l. Mai) von Karlsbad:„Dem hiesigen Frühling gewährt auch noch ein ganz eigenes ange-nehmes Ansehen, daß Blüthen und Blätter zugleich hervortreten;dadurch erscheint der Schwarz-orn, die Kirsche, der Apfel als ganzanderer, fremder Busch und Baum, die weißen Blüthen nehmen sichzwischen dem muntern Laub gar anmuthig aus. Werke l-N, 223.— S. 323, Z. 3 füge als Anmerkung bei: *) CarnS (Pbysiol. I, 3S2)hat eine hieher bezügliche, der Anführung werthe Stelle. „Wenndie Pflanze aus dem Samenkorn sich hervor- und in mannigfaltigenVerzweigungen und Blattbildnngen unbewußt fortbildet, so ist zu-nächst, bis sie Blüthe anseht, von keinem samenkornartigc» Gebildein ihr die Rede; doch vergißt (um einen figürlichen Ausdruck zu ge-brauchen) die Pflanze nicht ihre ursprüngl. Gestalt — das Samen-korn; — die Jnnerung der Pflanze hält ihr unbewußt stets jeneerste Bildung gegenwärtig, und gerade nur dadurch ist cS erklärlich,wie auf der Lebenshöhe des Gewächses jene Urform sich mit so großerVollständigkeit und oft Vielfältigkeit wiederholt; denn wäre-dieIdee derselben verloren und vernichtet, so wäre ja schlechterdings ankeine Micderdarbildung derselben zu denken- Ganz derselbe Fall istes mit dem Lebenscyklus des Thieres von der Eibildung zum Wieder-holen der Eibildung in den Ovarien; ja dasselbe gilt, abgesehen vonallem Bewußtsein, vom LcbenScykluS des Mensche»; denn in diesemorgan. Leben des Menschen schreitet das sich Darlehen her Idee ruhig