Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
12
JPEG-Download
 

12

Kugelgestalt der Erde.

verbargen, und in Norden werden Gestirne untergeben,welche wir sonst die ganze Nacht und zu allen Jahres-zeiten über dem Horizont zu sehen gewohnt waren.

Diese Erscheinungen aber würden unstreitig nichtstatt finden können, wenn die Oberfläche der Erde eineEbene wäre; denn da die Fixsterne, ihrer unendlichenEntfernung wegen, gegen w elche selbst der Durchmesserder Erdbahn, d. li. ein Weg von mehr als 40 MillionenMeilen, zu einer unwahrnehmbaren Grül'se schwindet, vonallen Punkten der Erde in paralleler Richtung gesehenwerden, so müfste, im Fall der Ebene, ihre Erhebungüber dem Horizonte, gleichzeitig von verschiedenen Punk-ten geschn, sich stets gleich bleiben. Auf einer gekrümm-ten Fläche hingegen, wie ZR,begreift man wohl, wie derStern S, der dem in Z be-findlichen Auge sichtbar war,dem nach R übergegangenenII Auge, dessen Aussicht durchdie Fläche HR begränzt wird,verschwinden und sich unterden Horizont IIR verbergen müsse. Es lehrt nun fernerdie Erfahrung, dal's diefs Herabsteigen der nördlichenund diefs Erheben der südlichen Gestirne, oder umge-kehrt, ziemlich gleich viel beträgt, wenn man um gleichgrofse Entfernungen gegen Süden oder Norden fortsclirei-tet. Diefs zeigt aber eine gleichförmige, d. i. eine kreis-ähnliche Krümmung der Erdoberfläche von Norden nachSüden an, und da man dieselbe Erscheinung in allenGegenden der Erde, in welchen man von Norden nachSüden reisen kann, in Europa wie in Amerika und aufdem Weltmeere, in gleicher Gröl'se bemerkt, so folgt,dafs sich rings um die Erdoberfläche gleich grofse Kreisein der erwähnten Richtung ziehen lassen müssen.

Dafs aber die Erdoberfläche auch in der Richtungvon Ost nach West, also senkrecht auf der vorigen,