Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
62
JPEG-Download
 

62

Festland.

organischen Schöpfung von ihr abhängt; in der That nurals eine Störung der allgemeinen Gesetze des Gleichge-wichts in der Vertheilung der Materie, als eine Anoma-lie in der Organisation des Planeten anzusehen. Wirwerden noch später Gelegenheit haben, zu zeigen, wiesehr diese Ansicht sich auch vom geognostischen Stand-punkte aus bestätigt, und wie das Erscheinen der Con-tinente störende Natur-Ereignisse voraussetzt, welche dieursprüngliche Verbindung der einzelnen Theile der festenErdkruste zerrissen haben.

Die Vertheilung und die Umrisse dieser, zur Atmo-sphäre hin dem Sonnenlichte entgegengehobenen Theileder Planeten-Oberfläche *) bieten im Allgemeinen einigesehr bemerkenswerthe Verhältnisse dar.

Schon ein einfacher Blick auf die Landkarte lehrtuns, dafs bei weitem der gröfseste Theil des Festlandessich auf der Nordseite des Aequators befindet; reichlichzwei Drittel desselben gehören der nördlichen Hemisphärean, während die südliche, so weit bis jetzt bekannt ist,durch das Wasser beherrscht wird. Der Anblick einesErdglobus insbesondere lehrt, wie noch neuerlich Rit-ter hervorgehoben hat, dafs dieser Gegensatz zwischenWasser und Land sich mit noch gröfserer Schärfe eigent-lich unter dem Bilde einer nordöstlichen und südwestli-chen Halbkugel (oder Kugelsegmentes) darstellen lasse,welche durch eine Linie von einander geschieden wer-den würden, die den Aequator in Nordost der Mosam-bikstrafse und am Küstenmeere von Peru etwa in einemWinkel von 45° durchsetzte; die nordöstliche kleinerewäre dann concentrirter die Land- und die südwestlichegröfsere die W^asser-Halbkugel (die continentale und pe-lagische Seite des Planeten), und die Scheidelinie zwi-schen beiden eigentlich mehr eine breite Zone, welche

*) Wie Ritter sagt: die Blüthenseite des planetarischen Qe-vvächses.