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Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
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80
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so

Gestalt der Weltthcilc

telbar von einschneidenden Meeren oder dazu gehöri-gen Länderfonnen berührt wird, der sich als Stamm desGanzen zeigt. Dieser Stamm ist seiner Ausdehnungnach noch immer sehr vorherrschend über die Glie-der *); Afrika dagegen ist nur ein Stamm ohne Verzwei-gung und Gliederung. Seinem Flächeninhalte nach istAsien reichlich um ein Yiertheif grüfser als Afrika, undseine Küstcnlänge beträgt fast das Doppelte, nahe an7000 Meilen.

Europa dagegen ist in seinen Umrissen der mannig-faltigste und am eigenthümlichsten entwickelte unter denErdtheilen. Sein von Osten nach Westen gedehnterlanger, schmaler Stamm ist durch einschneidende Mee-resarme und Mittclmeere in viele grofse und kleine Halb-inseln getheilt, von welchen einige wieder mannigfaltiggegliedert erscheinen, wie z. B. die in dieser Hinsichtganz einzige Gestalt Griechenlands. Das Eindringen derMeere bis in das tiefste Innere dieses Erdtheiles ist sobedeutend, dal's die durch ihn eingeschlossenen Binnen-meere etwa die Hälfte des Areals seiner trocknen Län-derräume ausmachen, und die Länge des Küstenlandeswird dadurch beträchtlich gröfser, als die von Afrika,nämlich 5400 Meilen, ungeachtet sein Flächenraum drei-mal geringer, ja selbst viermal kleiner als Asien ist. Eu-ropa ist daher der zugänglichste Erdtlieil von der See-seite, und diefs bedingte seinen grofsen Einllufs auf denKullurgang des Menschengeschlechtes **), seine Herr-schaft über die andern. Bei ihm verhalten sich die Glie-der

*) Der grofse Einflufs einer so mannigfaltig entwickelten Kii-stenform auf den Ileichthum, und die Vervielfältigung aller Natur-und "Völker-Verhältnisse des Erdtheiles springt von seihst in dieAugen."

**) Es entwickelte sieh hier auf dem kleinsten Erdenraume diegröfseste historische Mannigfaltigkeit im Menschengeschlechte.