128
Kornllen-Inscln.
begünstigt, denn läge sie der herrschenden Windrichtunggegenüber, so würde ein einmal in solcher Lagune vorAnker gegangenes Schiff leicht Monate lang darin zu-bringen müssen, bevor es wieder heraus könnte. In demZustande ihrer vollkommensten Ausbildung indefs mufsden Korallen-Inseln auch diese ihnen so charakteristi-sche Lagunen-Bildung abgehen. Das sturmgeschützte in-nere Becken mufs natürlich durch das geschäftige Fort-baucn der Korallcnlhiere allmülig erfüllt werden, und sosehn wir denn zuletzt sich eine einzige Insel als eine nie-drige ebne Fläche bilden, welche in ihrer Mitte eineschwache, meist mit zusammengeführtem Regennasser er-füllte Senkung hat. Solche Beispiele sind im grofsenOceanc nicht selten; da indefs solche Inseln nach Bee-chey’s Wahrnehmungen selten mehr als 2 — 3 Fufs überdem hohen Wasserstande des Meeres vorragen, so sindihre Bewohner leicht grofser Gefahr ausgesetzt, w'cnn dieFluth ungewöhnlich hoch ansteigt; die Bevölkerung sol-cher Inseln ist daher auch gewöhnlich nur sehr unbedeu-tend, und minder fröhlich und kräftig als auf den hohenInseln, wo die Bedingungen des Wohllebens zahlreicherund die Sicherheit eines ungestörten Ausbreitens grö-fser ist.
So bietet der Ocean diese merkwürdigen Insclbil-dungen in allen Stufen ihrer Entwickelung dar, und geradedas Zusammenvorkommen ihrer verschiedenartigen For-men macht das Verfolgen ihrer Ausbildung deutlich.Denn alle zuverlässige Beobachter stimmen darin über-ein, dafs das Fortw aclisen der Korallengeliäusc mit einergewöhnlich ganz ungeahneten Langsamkeit vorgeht. Hi-storisch nämlich sind keine beglaubigten Wahrnehmun-gen von Veränderungen der Meerestiefen, Zuwachsenvon Kanälen, Häfen u. s. w. durch das Fortschreitender Korallcnbildung bekannt, so viel uns auch darüberAngaben in den Journalen der Seefahrer nach unzuverläs-sigen Aussagen gemacht werden. Indefs darf uns diese
That-