150 Zusammenhang der Gebirgsketten.
Weg, um sich auf der Erdoberfläche orientiren zu kön-nen, aufs deutlichste vorgezeichnet habe. Fast möchtedie Bestimmtheit und Vollständigkeit, mit welcher Gat-terer diese Vorstellung durchzuführen versucht hat, an’sUnglaubliche grenzend genannt werden, wenn man cini-germaften berücksichtigt, welch eine grofse Zahl von ge-treuen Beobachtungen über die Beschaffenheit gröi’screrLändermässen schon damals demselben zu Gebote stan-den. Uebrigeus stimmten nach Gatterer die Gcbirgs-ineridiane und Parallelkreise mit den astronomischen Li-nien gleichen Namens nicht überein, sondern er liefssie dieselben unter einem gewissen constanten Winkelschneiden, so dafs z. B. der Haupt-Gebirgsäquator derAnden in Südamerika unter 20° südl. Br. als quer durchAfrika und Asien bis zum Kap Tschutschkoi Nofs lau-fend, gedacht wurde. — Neben dieser Ansicht von denLandgebirgen trug Gatterer auch Buache’s Vorstel-lung von den Seegebirgen vor, und tlieilte die Meereganz nach jenen Grundsätzen ein.
Otto befolgte, wie wir schon erwähnt haben, das-selbe Verfahren, und da selbst auch der hochverdienteZi mm ermann dieser irrigen Ansicht beistimmte, ja zuihrer Ausbildung mit beitrug *), so ist wohl kein Wun-der, dafs bis in die neueste Zeit in unsern gewöhnli-chen geographischen Compcndien und Landkarten dieKontinente mit Gebirgsketten und Ilöhenzügen überladenwerden, welche nur in der Phantasie der Verfasser exi-stiren. Noch bis in die letzten Jahre sind daher Kar-ten, welche die Oberflächengestalt der Länder mit Treueund Wahrhaftigkeit darstellen, keinesweges allgemeinverbreitet, ein Uebel, dessen schädlichen Einflüssen kräf-tigst entgegen zu arbeiten ist.
Wir haben schon oben darauf hingedeutet, dafsAlex. v. Humboldt vorzugsweise in der Begründung
) In Malte-Brun’s Abrifs, I. 313.