Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
154
JPEG-Download
 

154 Hauptrichtungcn der Gebirgsketten

Erdaxe machen; und er bemühte sich, die Ursachen die-ser Erscheinung in der Anziehung der Materie und indem Umschwünge der Erde bei ihrer Bildung aus einerweichen Masse zu suchen, wenn gleich diese Erklärungeinige Dunkelheiten behielt.

Diese Ansicht ward in Europa mit sehr lebhaftemEnthusiasmus aufgenommen, und besonders war sie denGeognosten willkommen. Vor Allem schrieb Ebel,durch sic begeistert, sein bekanntes Werk über den Bauder Erde im Alpengebirge (Zürich 1808), in welchem aufdiese Ansicht gegründete ganz neue Vorstellungen vonder Bildung der Erde überhaupt vorgetragen wurden.Niemand hat dieselbe vollständiger angewendet.

Genauere Beobachtungen in den Gebirgen Euro-pa’s und selbst die weiteren Forschungen Alex, vonHumboldt’s in Amerika haben später gezeigt, dafs dasso eben erwähnte, supponirte Gesetz nicht vollkommenrichtig sey, oder vielmehr, dafs es sich nicht in seinerganzen zuerst aufgestellten Allgemeinheit wirklich durch-führen lasse.

Selbst die Alpen, in welchen diese Ansicht zuerstentstanden war, entsprechen, seit wir sie vollständigerkennen, diesem Gesetze nicht allgemein. Wenn gleichihre Kelten durch die Schweiz und Tyrol diese Richtungverfolgen, so wenden sie sich doch an ihren beiden ent-gegengesetzten Enden so merklich davon ab, dafs wirdiese Erscheinung wohl für mehr als eine örtliche Stö-rung ansehn müssen. Zunächst am Südwcst-Ende ver-wandelt sich die bisherige Richtung fast ganz nahe in dievon Süden gegen Norden; denn es wendet sich derMont-blanc mit den zu ihm gehörigen gigantischen Nach-barn schnell in diese Richtung, und dieselbe scheint vonnun «an durch alle Ketten, welche die sogenannten See-Alpen bilden, beharrlich forlzusetzcn.

Eben so deutlich ferner ist das Aufhören der Süd-west - und Nordost-Richtung in Osten; dort nämlich