230 Schneegrenze, nicht blofs von geogr. Br. abhängig.
Schneegrenze, von der Gestalt einer so regelmäfsig überdie Erdoberfläche konstruirten krummen Flächein der Na-tur nicht gefunden wird. Es ist nämlich, wie besondersdie umfassenden Arbeiten dieses Naturforschers gezeigthaben, die Wärme-Abnahme auf dem Festlaude vomAequator nach den Polen hin im Allgemeinen keineswe-gcs so gleichförmig fortschreitend, wie sie der Theorienach seyn sollte. Um diefs bcurtheilen zu können, istes nölhig, für die Temperatur, welche verschiedenen Or-ten auf der Erdoberfläche zu Theil wird, einen möglichsteinfachen, leicht vergleichbaren Ausdruck in bestimmtenZahlenwerthen zu suchen, und diesen linden wir, wennwir an einem Orte in möglichst verschiedenen Jahres-und Tageszeiten Thermometer-Beobachtungen anstellen,wenn wir dann die dadurch für verschiedene Zeiten er-haltenen Temperaturen summiren, und die so erhalteneSumme mit der Zahl der Beobachtungen dividiren. Wirerhalten alsdann eine Zahl, welche die mittlere Tempe-ratur angiebt, welche einem jeden Orte durch die Ein-wirkung der Sonnenstrahlen zu Theil wird, oder dieje-nige Temperatur, welche an demselben immer stattfindenwürde, wenn die Wärme gleichförmig das ganze Jahrhindurch an ihm vertheilt wäre. Durch solche Mittelzah-len, für möglichst verschiedene Orte berechnet, kann mandie Art der Vertheilung der Wärme an der Erdober-fläche, ihr Ab- oder Zunehmen vom Aequator nach denPolen oder von O. nach W. wenigstens ihren allgemeinstenVerhältnissen nach mit Sicherheit ausdrücken, und diefshat zuerst Alex. v. Humboldt in einem ungleich grö-fseren Maafsstabe als irgend Jemand vor ihm gethiui.Er war es, welcher die genauer angebbaren Mitteltempe-raturen möglichst vieler Orte der Erdoberfläche kritischzusammenstellte; ja er ging noch weiter: er verband näm-lich auf einer Weltkarte die Orte, welchen eine gleicheMitleltemperatur zukommt, durch Linien, welche er mitRecht Linien gleicher Wärme oder isothermi-