238 Schneegrenze am Ilimalaya,
über alle Berggipfel und Rücken hinlaufende Linie er-scheint.
In einem gröfseren Maafsstabe und wahrhaft wun-derbar zeigt sich der Einflufs dieses Verhältnisses nachden neueren Beobachtungen der Engländer bei der Schnee-grenze im Himalaya-Gebirge. Diese Gebirgsketteist an ihrer Nordseite mit dem höchsten der bekanntenPlateaus der Erde, dem der chinesischen Tartarei, zu ei-nem Körper verwachsen; auf der Südseite dagegen fälltsie nach mehreren unbedeutenden Vorstufen steil ab indie tiefliegende weite Niederung des Ganges-Thaies, inwelcher bis zum Meere keine Berge weiter Vorkommen.Hieraus würde man schon muthmafsen, dafs die Höheder Schneegrenze am Nord- und Süd-Abhange verschie-den sevn müsse, und diefs beweisen denn auch voll-ständig die Beobachtungen von Webb und von Ge-rard*). Sonst steigt in andern Gebirgen wegen gerin-gerer Wirkung der Sonnenstrahlen die Schneegrenze anden Nordabhängen im Allgemeinen stets tiefer herab alsan der Südseite; in diesem merkwürdigen Gebirge aberist es gerade umgekehrt. An der Südseite müfste dieSchneegrenze nach den in Amerika geltenden Verhält-nissen sich für 30° Br. in etwa 11400 F. Höhe üb. demMeere befinden, und man sollte diefs sicherer noch des-halb erwarten, weil die vom Meere kommenden Windegrofse Massen von Feuchtigkeit zu diesem Gebirge hin-treiben, welche sich in der Höhe desselben kondensirenund als mächtige Schneemassen herabstürzen müssen.Nichtsdestoweniger fand Webb hier in 11200 —11250F. Höhe bei Kedarnath noch frisches Wachsthum vonKiefern, Weiden und Alpenrosen (Rhododendron), undsogar noch auf einem Passe in 11900 F. Höhe lag imJuni kein Schnee mehr, und es zeigte sich eine frische
*) Brewster Edinb. Jouru. of Sc. I, 45 und Amt. de ChininXIV. 1, 1.
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