274 Vorriicken der Gletscher,
das HerabroUen eines vor seinen Augen fortgeschobenenGranitblockes überzeugt, welcher leicht seinem Lebenhätte Gefahr bringen können.
Ueber die Art wie dieses Fortrücken der Gletschergeschieht, herrschen zum Theil selbst bei genaueren Be-obachtern etwas abweichende Meinungen; wenn wir in-defs vorzugsweise die von Saussurc und Ebel gege-benen Erläuterungen berücksichtigen, so erklärt sich diesemerkwürdige Erscheinung in der That auf eine sehr ein-fache Weise. Es mufs nämlich, nach der oben gegebe-nen Ansicht von dem ersten Entstehen grofser Gletscher,das Eis sich in den Hochthälern der Alpen in dem Laufeder Jahre auf eine unsägliche Weise anhäufen; es steigthier und nimmt zu, bis es die Ränder seiner Felsenein-fassungen erreicht hat, und es übersteigt dieselben natür-lich zunächst in den tiefsten Ausschnitten, welche diean den Berghängen herabführenden Verbindungsschluch-ten zwischen den Hochthälern und den tiefer liegendenThalgründen zu seyn pflegen. Indem das Eis in dieoberen Enden dieser Seitenthäler eintritt, gelangt es aufeine mehr oder minder stark abhängige Grundlage. Diezusammenhängende spröde Eislage wird auf derselbennicht länger sich in ihrem ursprünglichen Zusammenhängezu halten vermögen. Sie reifst, und mit donnerndemKrachen eröffnen sich Spalten an der Oberfläche derGletscher. Diese Spaltenbildung ist ein von allen Beob-achtern in den höheren Theilen der Gletscherthäler vor-zugsweise bemerktes Phänomen, und sehr schpn schildertunter Anderen Ebel, wie das Donnergetöse des Aufber-stens und die mit demselben verknüpften Erschütterun-gen, welche zuweilen die benachbarten Berge erzitternmachen, einen wunderbaren Kontrast gegen die gewöhn-lich in den höheren Gebirgsgegenden herrschende maje-stätische Stille darbietet. Oft ist Gefahr vorhanden, dafssolche mehr als hundert Fui's tiefe und einige Fufs breiteSpalten unvorhergesehen plötzlich unter den Füfsen des