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Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
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Eisgrotten.

mehr oder minder über 0°, und da Eis und Schnee zuden schlechtesten Wärmeleitern gehören, so schmilztnun der Boden auch viel von den ihn berührendenunteren Theilen der Eismassen. Es werden dieselbendurch diesen Umstand nun mehr oder minder unterhöhlt,und aus dem unteren Theile der Gletscher fliefsen da-her fortwährend im Sommer und Winter mehr oderminder starke Wasserströme hervor, welche den ansehn-lichsten Flüssen der Alpen ihre nie versiegenden uner-schöpflichen Quellen geben. Der Rhein und die Rhone,die Arve, die Aar u. s. w. entspringen auf die Weiseaus den unter der Oberfläche der Gletscher liervorströ-menden Bergwassern; und indem sich dieselben durch ihrHerabstürzen in der Eismasse weit fortsetzende Kanälebilden, geben sie häufig bei ihrem Austreten Veranlas-sung zu dem Entstehen ungemein schöner und prächtiggewölbter Eisgrotten. So bildet der Arveiron, woer aus dem unteren Ende des Bois-Gletschers her-austritt, eine prachtvolle Grotte, deren Gewölbe, nachSaussure’s Beschreibung, reichlich 100 F. hoch undgegen 50 — 80 F. breit ist; auch die Rhone zeigt amFufs ihres Gletschers sehr oft eine solche Erscheinung,und allen Reisenden sehr wohl bekannt ist die schöneKrystallgrotte, aus welcher die schwarze Liitschine(ein Zuflufs der Aar) unter dem kleinen Grindelwald-gletscher hervorbricht. Wie tief diese Grotten und Ka-näle unter den Gletschermassen fortsetzen, davon habenwir durch Zufall viele schlagende Beweise. Eins dermerkwürdigsten giebt das in vielen Büchern erzählteAbenteuer des Wirthes von Grindelwald (ChristianBorer), welcher i. J. 1790 hoch oben im Gletscherthalebeim Herabtreiben seiner Heerde vom Böniseck in eineGletscherspalte fiel, und glücklicherweise unten den Ka-nal eines Giefsbaches erreichte. Er folgte demselbenstundenlang forlkriechend mit zerbrochenem Arme, undals man ihn längst schon verloren glaubte, kam er end-