278
(Jletschergcbläse.
nicht nur während des Sommers, sondern, da sie von dermittleren Temperatur des Bodens erzeugt werden, unun-terbrochen, wiewohl weniger reichlich, auch während desWinters. Saussure machte sogar, um sich von derWahrheit dieser Thatsaclie zu überzeugen, während desWinters einst eigens eine Reise in das Yal de Cha-rn ouny. Er fand dabei die schöne Eisgrotte des Arvei-ron durch frisches Eis fast ganz zugefroren, doch untenflofs ein starker frischer Wasserstrahl hervor, welcher,wie gewöhnlich, seinen Tribut in die Arve trug.
Wir sehen also, dafs das Unterhöhlen der Eismassen,und mithin auch die Ursache zu ihrem Herabgleiten, dasganze Jahr hindurch ununterbrochen fortdauert, und esereignen sich daher auch Einstürze und Fortschiebungender Gletschermassen zu allen Jahreszeiten, ganz beson-ders aber im Frühhnge und Sommer, wenn die zerstö-renden Wirkungen die Eismasse kräftiger angreifen, undwenn der Unterschied der Temperaturen von der denGletscher umgebenden und in ihm eingesperrten LuftStörungen des Gleichgewichtes, Druck und Zerreifsungenveranlassen. Denn dafs dergleichen wirklich stattfinde,sieht man daran, dafs zuweilen plötzlich aus den Spaltender Gletscher eiskalte Winde mit einer Heftigkeit her-vorstofsen, welche umherliegende Eistheilchen losreiist,und sie wie Schneestaub weit umherschleudert. Sie rüh-ren davon her, dafs warme Luftströme von unten durchdie Gletscherhöhlen aufsteigen, sich in denselben anhäufenund abkühlen, und die kalte Luft, welche dem Zuge fol-gend irgendwo durch eine Seitenöffnung entweichenmufs, vor sich her treiben. Man nennt diese auffallendenkalten Windstöfse in den deutschen Alpen Gletscher-gebläse.
Das Einstürzen innerer Gletscherhöhlen veranlafst zu-weilen ein temporäres Abdämmen der aus dem Innernhervortretenden Wasser; sie werden eine Zeitlang zu-rückgehalten, dann aber überwältigen sie durch den