Einstürzen der Glctschei'hölilcn. 279
-Druck den ihnen entgegenstehenden Widerstand. Sieerheben dann theilweise die über ihnen lastende Eis-decke, zersprengen und verschieben ihre Seitenwände,und stürzen in wüthendem Laufe Alles vor sich hertrei-bend mit verdoppelter Stärke hervor. Solch ein Bei-spiel erzählt Saussure vom Arveiron, als einst seineEis grotte (was öfter geschehen soll) zusammenstürzte,und es ereignet sich dergleichen nach Ebel auch beiandern Gletschern.
Es wirken alle diese Ursachen gemeinsam zu einemHerunterschieben der Gletscher aus den höheren Gegen-den in die niederen, und es bedarf daher einer andernErklärungsweise nicht; doch ist cs eine schon in frühenZeiten vorgetragene Meinung *), dafs die Gletscher inden niederen Berggegenden sich hauptsächlich währendheifser Sommer durch das nächtliche Gefrieren des beiTage geschmolzenen Schneewassers vermehren, und neuer-dings haben besonders Charpentier und Biselx eswahrscheinlich zu machen gesucht, dafs das Fortrückendes Eises durch das Gefrieren und Auseinanderdrän-gen des in die Spalten eindringenden Wassers bewirktWerde.
Die erste Ansicht hat indessen schon Saussuredurch vielfache Erfahrungen widerlegt, indem er fand,dafs die Menge des in Sommernächten sich auf Glet-schern bildenden Eises aufserordentlich gering sey, undjedesmal wieder am folgenden Tage mit verzehrt werde.Her letzteren Ansicht aber hat ganz insbesondere Es eherv - d. Linth sehr überzeugende Gründe entgegengestellt,da es unmöglich ist, dafs die in offenen Spalten gefrie-rende Masse einen Druck auf die Seitenwände ausübe,wenn nickt die ganze, die Spalte erfüllende Masse aufeinmal gefriert, und auch dann noch würde die sich aus-delinende Eisnjasse es leichter finden, nach oben hin,
*) Journ. de Phys. May 1779 .