310 Gebirgspflanzen,
aufsteliende 2\ Fufs lange Stengel bildete, höher obenaber kriechend war, und höchstens noch 15 Zoll langeStengel hatte. Pflanzen, die sich solche Aenderungennicht gefallen lassen können, müssen zuückbleiben. Ueber-haupt aber bleibt der Wachsthum des Stengels und derBlätter in den höheren Gegenden ganz auffallend zurück,wird immer hinfälliger und schwächer, und Parrot er-klärt diefs sehr gut, durch die gröfsere Verdünnung derLuft, und namentlich durch ihren geringeren Gehalt anKohlensäure, welcher das Athmcn erschwert, und es ih-nen unmöglich macht, die Kohlensäure der Asmosphärcam Tage in hinreichender Menge zersetzen zu können,was eine der Haupt-Funktionen der Blätter ist. So isteine der höchsten Pflanzen des Kaukasus, das Leontodonnivale, nahe der Schneegrenze nur | Zoll hoch, und da-von nahm die Blüthe allein über i Zoll weg; die amBoden liegenden Blätter aber waren höchstens 1.1 Zolllang. Nur 200 Toisen tiefer aber betrug die Länge derBlätter schon 3 Zoll, während die Blüthe sich gleich-blieb. Höchst auffallend aber zeigte sich diese ganzeErscheinung an dem Cerastium Kasbek Par., welchessich noch 1000 F. über der Schneegrenze (also in 10878F. Höhe) findet. Es war dem C. alpinum und frigidumsehr ähnlich, und hatte mit ihnen gleich grofse und voll-kommene Blüthen und Samen-Kapseln, aber sein Sten-gel war sehr verkümmert und die Blätter fast auf Nichtsreducirt (in membranöse Scheiden verwandelt). Pflanzenmit gefiederten Blättern erhalten daher auf höheren Ge-birgen erst gesägte und dann ganzrandige Blätter, undwerden dadurch in der Höhe ganz unkenntlich, so Scab.caucasica und Senecio chrysanthemifolius am Aetna..Diese Erscheinung erinnert ganz an die Verschiedenheitder Blätter über und unter Wasser von Ranunculus aqua -Ulis, oben einförmig und gelappt, unten vielgefiedert grö-fser. Es ist daher auch etwas ganz Gewöhnliches, in AI-penrasen ganz kurze kleine enganliegende Blätter, und