312 Gebirgspflanzen, ihre Hauptkennzeichen.
inen. Selbst weifs ist nicht häufig. Unter den 48 Ar-ten auf dem Pic du Midi waren nach ßamoud nur 8bis 9 weifsblühende, und unter einer gleichen Zahl amSimplon fand Scho uw deren nur 7 bis 8, und immerist dieses Weifs dann von ganz besonderer Reinheit.Wie viel glänzender aber und lebhafter die Blumenfar-ben (gelb, blau und roth) auf den Gebirgen als in derEbene sind, davon giebt die Vergleichung von den Blü-thenfarben der ihnen ganz nahe verwandten Arten ausder Ebene Zeugnifs, so Aparagia crocea, Linaria alpina,Gentiana aeaulis und G. nivalis, die Veronica alpina,Draba pyrenaica, Arabis caerulea, die Primeln derEbene und der Gebirge; selbst unser so schön gefärbtesVergifsmeinnicht wird auf den Alpen durch dieglänzendere Myosolis nana verdunkelt. Schouw glaubt,dafs eine der wesentlichsten Ursachen dieses Verhältnis-ses in der gröfseren Intensität des Lichtes auf höherenGebirgen liege, welche auf die Färbung des vom Lichteam meisten abhängigen Pflanzenorgans nothwendig ei-nen Einflufs üben müsse. — Aehnlich ist es ja unter denTropen, wo die vermehrte Lichtintensität die prachtvoll-sten Farben der Blumen hervorruft.
3) Die Alpenpflanzen besitzen gewöhnlicheine viel gröfsere Reichhaltigkeit an bitterenund aromatischen Stoffen. Es sind daher unterihnen sehr viel Arzneigewächse, und sie liefern dem Viehbekanntlich eine reizendere kräftigere Nahrung als dieWeiden der Ebene. Wir erinnern hierbei nur an dieGattungen Achillea, Arnica , Artemisia, an die bitterenGentianae, an Veratrum, Angelica, Imperatoria. Merk-würdig aber ist auch noch zugleich, dafs, wie Schouw be-merkt, unter ächten Gebirgspflanzen keine Giftpflanzevorkommt. Denn die einzigen, welche man nennen könnte,nämlich Veratrum und Aconitum, gehen nicht hoch hin-auf, sondern gehören den Floren mittlerer Höhe an.
Um nun die Veränderungen, welche die Vegetation