Buch 
Physikalische Geographie : Vorlesungen gehalten an der Universität zu Berlin in den Jahren 1834 und 1835 / von Friedrich Hoffmann
Entstehung
Seite
440
JPEG-Download
 

440

Ursprung der Quellen,

versiegt waren, gegen den Abend aber reichlich flössen-— Es ist folglich dieser Einwurf gegenwärtig auf einegewil’s sehr genügende Weise widerlegt.

Nichtsdestoweniger hat die Zweifelsucht älterer Na-turforscher, und die Neigung zum Wunderbaren, der ein-fachen Ansicht von dem Ursprünge der Quellen langeZeit hindurch keinen Eingang verschafft. Beobachtun-gen lokaler Eigenthümlichkeiten einzelner Quellen führ-ten zu sehr verschiedenen Ansichten über ihren Ursprung*welche man allgemein auf sie anwandte, und die einemehr oder minder bedeutende Autorität erlangt haben;wir wollen daher einige der bedeutenderen hier nocheiner kurzen Beleuchtung unterwerfen.

Vor Allem hat lange Zeit hindurch die Meinungvieler Gelehrten in Ansehen gestanden, dafs die Quellendurch unterirdische Zuflüsse aus dem Meere genährt wür-den, und es war diefs in der Tliat früher eine sehr all-gemein angenommene \ orstellung, denn man war, wie wirgesehen haben, nicht berechtigt, die Menge des atmosphä-rischen Wassers für hinlänglich zu der Ernährung derQuellen zu halten, und bei solchem Verhältnisse hättedann doch das Meer durch die fortwährend hineinströ-menden Gewässer müssen überfüllt werden. Solch eineUeberfüllung oder Uebertreten des Meeres aber trat wirk-lich nicht ein, und es ist deshalb die Meinung, dafs dasMeerwasser auf irgend eine Weise zur Speisung derQuellen beitrage, schon sehr alt, und- wahrscheinlich zu-erst von Lucrez vorgetragen. Die Art aber, wie dieNaturforscher sich diesen Apparat der Quellenerzeugungdachten, war nach dem jedesmaligen Zustande des Wis-senschaft sehr verschieden.

Alle zunächst stimmen sie wohl darin überein, dafsdas Meer seines Ueberflusses sich durch unterirdischenAbflufs in Kanälen entledige. Man nahm ferner ziem-lich allgemein einige Meercsstrudel, besonders im Mtt-telmecre, deren Grüfse man gewöhnlich sehr übertrieb.